Telefonprovider Arcor wirft der Deutschen Telekom Marktmissbrauch im Wettbewerb um DSL-Kunden vor. Wie bekannt wurde, hat die Tochtergesellschaft der Vodafone-Group am 30.11. einen Missbrauchsverfahrensantrag gegen Telekom bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Ein Arcor-Sprecher bestätigte die Angaben.
Telekom würde die Bereitstellung von Teilnehmer-Anschlussleitungen (TAL - auch als "letzte Meile" bezeichnet) in "erheblichem Umfang" verzögern, so der Vorwurf von Arcor. Wettbewerber mieten die TAL bei der Telekom an, sie wird benötigt um vor allem neue DSL-Kunden freischalten zu können.
Gemäß Vereinbarung soll die Telekom binnen fünf Tagen die Aufträge der Wettbewerber bearbeiten, nach Angaben von Arcor würde die Telekom jedoch die Fristen "dauerhaft" verletzen, bei etwa 25% der Anträge dauerte die Bearbeitung über 18 Tage.
Diese Vorwürfe wies die Telekom zurück: "Wir können die Kritik nicht nachvollziehen, da unsere Bereitstellungszahlen auf konstant hohem Niveau liegen und im Zeitablauf sogar steigen."
Absprachen für vertraglich vereinbarte TAL-Mengen würden erfüllt, doch nicht jeder Wettbewerber halte sich daran. Nach den Verträgen muss die Telekom pro Wettbewerber nur eine bestimmt Zahl von Anschlüssen bearbeiten. Der Eingang des Missbrauchsantrags wurde seitens der Telekom nicht bestätigt.
Die Zahl der TAL-Aufträge ist 2007 aufgrund des DSL-Booms und der Providerwechselfreudigkeit der Kunden drastisch gestiegen. Die Telekom ist Eigner der "letzten Meile" und muss daher jedes Mal einen Techniker beauftragen, weshalb es Engpässe gibt, vor allem in Metropolen wie Berlin.
Die Telekom hat bereits die Quoten für die Konkurrenten erhöht, um den Auftragseingang zu bewältigen. Das Problem soll mit Hilfe zusätzlicher Ausgaben zumindest eingedämmt werden. "Der T-Home-Vorstand hat in der vergangenen Woche bereits zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, um Lastspitzen in der regionalen Bereitstellungssituation in den kommenden Wochen zu normalisieren", so die Telekom.