RWE-Chef Jürgen Großmann hat vor den weitreichenden Konsequenzen eines allmählichen Ausstiegs aus der Kohleverstromung gewarnt. Der Chef des Stromgiganten sagte, ein "doppelter Ausstieg aus Kernkraft und Kohle" sei für den Industriestandort Deutschland unmöglich zu verkraften. "Wir müssten unseren Gasimport um 50 Prozent erhöhen", so Großmann. "Mit erneuerbaren Energien wie Wind ist das nicht auszugleichen." Erst kürzlich war der Stromversorger mit den Plänen für ein Steinkohlekraftwerk im saarländischen Ensdorf an einem Bürgerentscheid der Einwohner gescheitert.
RWE wolle seine "Kompetenz in puncto Kohle- und Kernkraftwerke" für die Stromversorgung erhalten. Sollte die allgemeine Stimmung in Puncto Großkraftwerke negativ sein, müsse der Stromkonzern im Ausland investieren. Weiter sagte er, dass der Stromversorger RWE in der laufenden Legislaturperiode kein Atomkraftwerk abschalten werde. Den umstrittenen Reaktor in Biblis könne man so fahren, "dass wir mit den Restlaufzeiten über die nächste Bundestagswahl kommen. Und dann gibt es vielleicht ein anderes Denken in Bevölkerung und Regierung".
Großmann regte zum Nachdenken über neue Strompreismodelle an. Preise für Haushaltskunden könnten so für zwei oder drei Jahre festgelegt werden, und nächtliche Flatrates könnten eingeführt werden. Es gäbe eine Fülle von Ideen, so Großmann. Man könne zudem ein "unabhängiges Transparenzbüro beim Kartellamt oder bei der Bundesnetzagentur" einrichten, das die Daten der Stromkonzerne prüft.