Obwohl die gesetzlichen Krankenkassen dieses Jahr einen Überschuss in Milliardenhöhe erwarten, wollen sie ihre Beitragssätze nicht senken. Ein Sprecher des AOK-Bundesverbandes sagte, das Geld solle zum Schuldenabbau verwendet werden.
Möglicherweise werden etwa 18 überwiegend kleinere Betriebskassen ihre Sätze anheben. Die Techniker Krankenkasse (TK) hat noch keine konkreten Pläne, eine Änderung der Beitragssätze hängt unter anderem davon ab, in welcher Höhe die TK anderen Krankenkassen im Rahmen des Solidarausgleichs aushelfen muss.
Allein der AOK-Verbund verzeichnet in den ersten neun Monaten ein Plus von 610 Mio. Euro. Nach Schätzung des Vorstandsvorsitzenden der Barmer, Johannes Vöcking, kommen im Gesamtjahr 2007 alle gesetzlichen Kassen auf einen Überschuss von etwa 3 Mrd. Euro. Diese Mehreinnahmen stammen hauptsächlich aus den Beitragserhöhungen zu Beginn des Jahres. Seither zahlen gesetzlich Versicherte im Durchschnitt 13,9 %, die Arbeitnehmer noch einmal 0,9%. Das ist der höchste Stand seit Kriegsende.
Vom Bundesgesundheitsministerium wird zudem die positive Lohnentwicklung als zusätzliche Einnahmequelle genannt. Steigende Beschäftigtenzahlen und Tarifabschlüsse zahlten sich zwar erst mit zeitlicher Verzögerung aus, jedoch spreche "viel dafür, dass sich die beitragspflichtigen Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen im letzten Quartal weiter erhöhen werden". Die Kassen registrierten im November 2007 rund 583.000 mehr Beitragszahler als im Vorjahresmonat.
Nach Angaben des Ministeriums werden "Spätestens Ende nächsten Jahres - pünktlich zum Start des Gesundheitsfonds - alle Kassen schuldenfrei sein". In den Gesundheitsfonds sollen alle Beitragseinnahmen kommen, die dann an die Kassen verteilt werden. Ab 2009 wird der Beitragssatz von der Bundesregierung festgelegt, die Kassen können lediglich Zusatzprämien erheben oder Boni auszahlen.