Am 18.12. haben die deutsche BASF-Tochter Wintershall und der russische Energieversorger Gazprom erstmals mit der kooperativen Erschließung eines Gasfeldes in Sibirien, rund 3500 km nordöstlich von Moskau, begonnen. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) startete in der Moskauer Gazprom-Zentrale mit der Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzende und Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew mit einem symbolischen Knopfdruck das Projekt in Juschno Russkoje. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Unternehmen Erdgas direkt in Westsibirien fördert. Das Gas soll künftig auch durch die geplante Ostseepipeline nach Europa geliefert werden.
"Die Inbetriebnahme geht weit über die industriewirtschaftliche Bedeutung hinaus", bemerkt Steinmeier. Russland werde sich nach und nach auch bei der Beteiligung westlicher Unternehmen im Rohstoffsektor öffnen. "Das ist der richtige Weg, und ich wünsche mir, dass er weitergegangen wird", betonte er. Medwedew bezeichnete die Erschließung des Gasvorkommens Juschno Russkoje "ein leuchtendes Beispiel für die russisch-deutsche Partnerschaft". "Das ist ein gemeinsamer Beitrag für die Energiesicherheit Europas" ergänzte der Vizeregierungschef.
Juschno Russkoje enthält 600 Milliarden Kubikmeter förderbares Gas. Gazprom pumpt derzeit jährlich etwa 40 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Deutschland. Geht man von dieser Liefermenge aus, kann laut BASF allein die Lagerstätte Juschno Russkoje sämtliche russischen Gasexporte nach Deutschland für weitere 15 Jahre gewährleisten. Gazprom und Wintershall handeln bereits seit 1990 zusammen mit Erdgas. Die Jamal-Region in Westsibirien gilt als Gebiet mit einem der global größten Erdgasvorkommen.
Das Engagement der BASF an der sibirischen Gasproduktion ist Teil eines inzwischen abgeschlossenen Tausches von Unternehmensanteilen. BASF-Tochter Wintershall erhielt 25 Prozent minus eine Aktie an der Gesellschaft Severneftegazprom (SNGP), die die Lizenz am Erdgasfeld Juschno Russkoje in Westsibirien hält. Wintershall bekam zusätzlich eine privilegierte Aktie ohne Stimmrecht am Gründungskapital von Severneftegazprom, wodurch BASF im Ergebnis mit 35% am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt ist. Gazprom stockte den Anteil an der gemeinsamen Erdgashandelsgesellschaft WINGAS GmbH von bislang 35 auf 50 Prozent minus einen Anteil auf. Ebenso bekam Gazprom eine Beteiligung von 49% an einer Wintershall-Tochtergesellschaft, die in Libyen Erdöl fördert.
In Zukunft möchte sich auch der deutsche Energieversorger E.ON an Juschno Russkoje beteiligen. Gazprom soll im Gegenzug Beteiligungen an Kraftwerken in West- und Mitteleuropa sowie unterirdische Erdgasspeicher erhalten. Nach Presseberichten hat hat E.ON dem russischen Konzern Beteiligungen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro für eine Beteiligung von knapp 25%.