Der Ausstieg aus der Atomstromproduktion ist ein wesentlicher Teil der Rahmenbedingungen, unter denen Investitionsentscheidungen in der Energiewirtschaft getroffen werden, insbesondere im Bezug auf die Erneuerbaren Energien.
Dietmar Schütz, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) mahnt daher eine verlässliche Energiepolitik an: "Unsere Branche will bis 2020 rund 200 Milliarden Euro in eine nachhaltige Energieversorgung investieren. Wer die Rahmenbedingungen hierfür ständig in Frage stellt, verunsichert die Investoren, die auf neue und flexible Erneuerbare-Energien-Kraftwerke setzen. Wer sich für eine längere Nutzung der Atomkraft entscheidet, verzögert den Umstieg auf Erneuerbare Energien!"
Die Erneuerbaren Energien werden mit einem rasanten Tempo ausgebaut und werden die wegfallende Stromproduktion durch den Atomausstieg mehr als kompensieren. Im Jahr 2000 wurde der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Seitdem stieg die jährliche Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien um 56,9 Milliarden Kilowattstunden. Allein 2007 betrug das Wachstum mehr als 15 Milliarden Kilowattstunden. Die zusätzliche Stromgewinnung aus Wind- und Wasserkraft, Solar- und Bioenergie sowie Geothermie ersetzt damit jedes Jahr mehr als einen Atommeiler.
Die Erneuerbaren Energien decken schon jetzt über 15% des deutschen Stromverbrauchs ab. Im Jahr 2020 werden es schon deutlich mehr als 30% sein. Bei einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien wird von dem übergangsweise verbleibenden konventionellen Kraftwerkspark erwartet, dass er auf die variable Einspeisung Erneuerbarer Energien reagiert. Diese Anforderung wird von den unflexiblen Atomkraftwerken jedoch nicht erfüllt, denn sie produzieren unabhängig von der aktuellen Stromnachfrage und der aktuellen Einspeisung der klimaneutralen Erneuerbaren Energien. "Auf Dauer stehen sich Atomkraft und flexible Erneuerbare Energien im Wege. Wir brauchen jederzeit eine nachfragegerechte und klimafreundliche Stromproduktion", erläutert Dietmar Schütz weiter. Mit dem Projekt des regenerativen Kombikraftwerks wurde bewiesen, dass der Verbund der Erneuerbaren Energien jederzeit die Nachfrage decken kann.
"Eine innovative Energiepolitik muss Anreize für regenerative Kombikraftwerke geben. Dem Verbund der Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft, nicht starren Grundlastkraftwerken", so ist sich Dietmar Schütz sicher. "Der Vorschlag, mit den Zusatzgewinnen der Atomkonzerne, den Ausbau Erneuerbarer Energien zu beschleunigen, ist ein vergiftetes Geschenk, auf das wir gerne verzichten", sagt Dietmar Schütz.
Der Grund, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien nicht noch schneller vorankommt als heute, liegt nicht an mangelndem Investitionskapital. Als Hindernisse nennt Schütz vielmehr den schleppende Netzausbau und restriktive Planungsvorgaben für Erneuerbare Energien Anlagen.
Die Strompreise lassen sich ebenfalls nicht mit längeren Laufzeiten der Atomkraftwerke stabilisieren. "Wer Verbraucher wirklich entlasten will, setzt auf die dauerhaft verfügbaren Erneuerbaren Energien", fordert Dietmar Schütz.
Bereits heute sinken die Preise an der Strombörse immer dann, wenn viel Strom aus Erneuerbaren Energien eingespeist wird. Dieser so genannte „Merit-Order-Effekt“ hat die Einkaufsrechnung der Stromlieferanten im vergangenen Jahr bereits um rund 5 Milliarden Euro gesenkt. Von dieser Entlastung profitieren die Stromverbraucher umso mehr, je schärfer der Wettbewerb auf dem Strommarkt ist. Der längere Betrieb abgeschriebener Atomkraftwerke in der Hand weniger Konzerne reduziert jedoch eher den Wettbewerb. Derzeit steigen die Strompreise, obwohl die deutschen Atomkraftwerke am Netz sind.