GKV plant Mehrausgaben für Arzneimittel von 2,4 Mrd. Euro für 2009

  1. 22.09.2008 16:11
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Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird 2009 voraussichtlich 2,4 Milliarden Euro mehr für Arzneimittel ausgeben als im Vorjahr. Die Gesamtausgaben für Medikamente werden somit um 8,1% auf 31,7 Milliarden Euro steigen. Diese Zahlen sind einer Prognose des IGES-Instituts zu entnehmen, die auf der Methodik des Arzneimittel-Atlas basiert.

Der Direktor des IGES Instituts Prof. Dr. Bertram Häussler sieht den wesentlichen Grund für die vorausgesagte Steigerung der Ausgaben in der seit Jahren zunehmenden Tendenz, Therapien gegen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck allen Betroffenen zugänglich zu machen. Er vermutet, dass sich dieser Trend in den nächsten 3 bis 5 Jahren fortsetzen wird. Dieser anhaltende Mehraufwand wird durch das existierende Gesundheitssystem auch unter den Vorzeichen des Gesundheitsfonds sicher getragen werden. Prof. Dr. Häussler erwartet einen einheitlichen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung von 15,5%, welcher bis 2009 ausreichen sollte, um alle heute zu erwartenden Ausgaben der GKV zu decken. Prof. Dr. Häussler weiter: „Dieser Beitragssatz ist allerdings nur dann ausreichend, wenn sich die Konjunktur nicht schlechter entwickelt als wir heute erkennen können und wenn die Krankenkassen ihre Kosten so gut wie möglich kontrollieren. Andernfalls wäre mit Kassenpleiten zu rechnen."

Dr. Wolfgang Plischke ist der Vorsitzende des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) kommentiert die Entwicklung: "Der medizinisch getriebene Arzneimittelverbrauch und damit die Arzneimittelausgaben in der GKV steigen, die Preise für Arzneimittel sinken, 2008 bislang allein um 1,8%. Der wachsende Arzneimittelverbrauch überrascht uns nicht: Es ist ein Fakt, dass wir uns auch für die Zukunft auf steigende Arzneimittelausgaben einstellen müssen, weil der medizinische Fortschritt immer bessere Medikamente für eine immer älter werdende Gesellschaft hervor bringen wird. Unter dem Strich nimmt also die Zahl der zu behandelnden Patienten zu - und das ist zunächst einmal vorbehaltlos zu begrüßen. Eine prognostizierte Ausgabensteigerung von 8,1% im Jahr 2009 erscheint mir angesichts medizinischer Innovationen - wie wir sie z.B. bei Krebs, Rheuma oder der Thromboseprophylaxe geschafft haben - vertretbar.“ Er verweist auf die Prognose von Herrn Prof. Häussler zur Beitragshöhe und fährt fort: „Der medizinische Fortschritt wird unser Gesundheitssystem nicht sprengen. Gleichwohl bleibt es bei meiner grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Gesundheitsfonds: Der beschlossene Fonds beseitigt keines der Probleme des deutschen Gesundheitssystems - er schafft im Gegenteil neue. Durch die Erhebung eines Einheitsbeitrages, der sich aus politischen Gründen am hohen Finanzbedarf wirtschaftlich schwacher Kassen orientiert, werden die Beiträge für viele Versicherte steigen."

Dr. Wolfgang Plischke fordert eine grundsätzliche Neuausrichtung der Gesundheitspolitik. Eine Einheitsversorgung gekoppelt mit einem Einheitsbeitrag hält er für falsch, denn dies unterstelle Einheitsbedürfnisse, was ja bei dem Individuum Mensch nicht zutrifft. Die Politik sei damit gezwungen, alle Versicherten über einen Kamm zu scheren und die Individualität der Betroffenen zu ignorieren, was auf längere Sicht das Gesundheitssystem in jeder Beziehung überfordere.

Um die individuelle Versorgung in jedem Fall zu gewährleisten empfiehlt sich in vielen Fällen der Abschluss von Krankenzusatzversicherungen: Hier kann individuell auf die persönlichen Bedürfnisse eingegangen werden. Sei es für Zahnersatz, mehr Leistung im Krankenhaus (Einbettzimmer, Chefarztbehandlung), Krankenhaustagegeld oder einfach nur, um weitere Leistungskürzungen der gesetzlichen Krankenkassen auffangen zu können. Eine Beratung vom Versicherungsfachmann ist sicher sinnvoll.





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