Eine internationale Gehaltsstudie, die vom Beratungsunternehmen Mercer jährlich durchgeführt wird zeigt, dass deutsche Gehälter 2009 voraussichtlich um etwa 4% steigen werden. Die Gehälter werden somit um 1,3 Prozentpunkte über der erwarteten Inflationsrate von 2,2% liegen.
Gehaltserhöhungen 2009 niedriger als erwartet
Wolfgang Rothe von Mercer: "Wir rechnen damit, dass die tatsächlichen Gehaltserhöhungen etwas niedriger ausfallen werden als derzeit budgetiert. Ursprünglich sind wir von einer Steigerung von deutlich über 4% ausgegangen. Angesichts der aktuellen Finanzmarktkrise erwarten wir jedoch, dass der Wert bei den meisten Unternehmen nur knapp unter der 4%-Marke liegen wird. Darauf deutet auch der Tarifabschluss hin, der vor einigen Tagen in der Metallindustrie in Baden-Württemberg vereinbart wurde."
Die Steigerung der Gehälter in Deutschland fällt im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern eher moderat aus. Europaweit sind durchschnittliche Gehaltssteigerungen von 3,9% (1,5 Prozentpunkte) über der Inflationsrate zu erwarten. Die Italiener können sich über die höchsten Gehaltssteigerungen freuen: Mit bis zu 4,8% liegen die Zuwächse dort bei bis zu 2,7 Prozentpunkten über der prognostizierten Inflationsrate. Die geringste Gehaltssteigerung in Europa ist für Frankreich zu erwarten, hier sollen die Gehälter um lediglich 3% steigen.
In der gesamteuropäischen Betrachtung sind die Türkei mit 3,5 Prozentpunkten und Rumänien mit 4,9 Prozentpunkten über der Inflationsrate die Spitzenreiter. Die anderen osteuropäischen Länder liegen auf dem westeuropäischen Niveau.
Die variablen Anteile der Jahresgesamtvergütung sind im Vergleich zu 2007 im Schnitt nicht wesentlich gestiegen. Im Gegenteil: Für 2009 werden in einzelnen Branchen sogar eher geringere Bonuszahlungen erwartet, was sich mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation in Deutschland erklären lässt. "Änderungen zeichnen sich in erster Linie bei den Plänen für Long-Term Incentives, also für die langfristige variable Vergütung, ab. Hier ist ein Umdenken der Unternehmen weg von Aktienbeteiligungen hin zu langfristigen Bonuszahlungen erkennbar", so Mercer-Experte Rothe.
Rothe weiter: "Bemerkenswert ist, wie viele Unternehmen ihren Mitarbeitern inzwischen wieder eine betriebliche Altersversorgung anbieten." Bei den Nebenleistungen, wie der betrieblichen Altersversorgung, setzt sich der Studie nach ganz klar der Trend zu beitragsorientierten Systemen fort. "Bei Firmenwagen hingegen zeigen sich keine gravierenden Veränderungen. Im internationalen Vergleich sind die sogenannten Car Allowances in Deutschland eher von geringer Bedeutung. Dies liegt eindeutig an den vergleichsweise hohen Steuern, die Arbeitnehmer in Deutschland bei einer Car Allowance zahlen müssen", so Rothe.
Übersicht der zu erwartenden Gehaltssteigerungen 2009
| Land | Durchschnittliche prognostizierte Gehaltssteigerung 2009 in % | Prognostizierte Inflationsrate 2009 in % | Prognostizierte Gehaltssteiger ungoberhalb der Inflationsrate in % |
| Schweiz | 2,5 | 1,4 | 1,1 |
| Mexiko | 3,5 | 5,0 | 1,5 |
| USA | 3,8 | 2,0 | 1,8 |
| Deutschland | 3,9 | 2,2 | 1,7 |
| Brasilien | 6,0 | 4,5 | 1,5 |
| Polen | 6,0 | 3,8 | 2,2 |
| Südafrika | 8,0 | 10,0 | 2,0 |
| China | 10,0 | 3,6 | 6,4 |
| Indien | 12,5 | 5,7 | 6,8 |
| Ägypten | 13,7 | 9,5 | 4,2 |
Quelle: Mercer Deutschland GmbH
Die genannten Daten stammen aus einer so genannten TRS - Total Remuneration Survey. Hier fließen Gehaltsdaten aus über 100 Ländern, von nationalen und multinationalen Unternehmen ein. Es werden über 450 Benchmark-Positionen abgedeckt und hat eine Spannbreite vom Tarifangestellten zum Top Executive Level. Bare und unbare Vergütung sowie Nebenleistungen (betriebliche Altersvorsorge, Dienstwagen etc.) fließen in die Studie ein.
Die sehr umfangreichen Ergebnisse des TRS werden von international tätigen Konzernen als Standardwerk für die Bestimmung einer marktgerechten Vergütung herangezogen.