Ergebnisse der Studie "Branchenkompass 2008 Versicherungen" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut haben gezeigt, dass rund 70% der privaten Krankenversicherungen ihre Strategie geändert haben, um Neukunden zu gewinnen. Zu dieser Studie wurden im Juni dieses Jahres 100 Entscheider aus 100 der größten deutschen Versicherungsgesellschaften über Investitionsziele und die geplante Marktpolitik bis 2011 befragt. Teilgenommen haben die Vorstandsmitglieder und –vorsitzenden sowie die Leiter der zuständigen Finanz- und Entwicklungsabteilungen aus den Sparten der Personen- und Schadenversicherung: Leben, Kranken, Kfz, Haftpflicht, Industrie/Gewerbe, Transport, Rechtsschutz und andere Sachversicherungen.
Im Gegensatz zu früheren Jahren, wo das Hauptaugenmerk auf Vollversicherungen gelegt wurde, stehen nun vermehrt Zusatzversicherungen im Vordergrund. Grund dieser strategischen Änderung sind die dramatischen Einbrüche im Bereich der Vollversicherungen, die im ersten Halbjahr 2008 um 40% einsanken. Der Trend für das kommende Jahr zeigt einen weiteren Abfall.
Versicherer müssen sich jedoch einiges einfallen lassen, um Kassenpatienten von den Vorzügen einer privaten Zusatzversicherung zu überzeugen, denn das Geld sitzt nicht mehr so locker wie es vor einigen Jahren noch der Fall war. Dazu werden kreative Köpfe eingesetzt, die gezielte Angebote entwickeln. 20% der privaten Krankenversicherungen investieren in neue maßgeschneiderte Angebote, mehr als in jeder anderen Sparte der Versicherungen. Von zusätzlichen Kostenübernahmen bei Zahnersatz über Chefarztbehandlung, und Einzelzimmer im Krankenhaus bis zu Heilpraktikerbehandlungen – die Bandbreite der neuen Angebote ist groß.
Neben der Entwicklung neuer Angebote liegt vielen privaten Versicherern auch daran, das bestehende Angebot und die bereits genutzten Versicherungsprodukte und Dienstleistungen noch besser auszubauen und mit noch höherer Qualität und besseren Service aufzupeppen.
Als Folge der Gesundheitsreform verlieren die Vollversicherungen der privaten Krankenversicherungen immer mehr an Wert, da der Zugang gesetzlich Versicherter zur privaten Krankenversicherung massiv erschwert wird. Daher bereiten sich diese bereits jetzt mit Investitionen in Zusatzversicherungsprodukte auf eine langfristige Marktverschiebung vor. Über 50% der Entscheider erwarten stagnierende Geschäfte oder gar einen Rückgang. 2005 waren es nur 25% der Befragten, die Einbußen beim Umsatz befürchteten.