Die Europäische Union hat zum Auftrieb der europäischen Wirtschaft ein Hilfspaket von 200 Milliarden Euro bereit gestellt. Chinas Konjunkturprogramm wurde erst kürzlich auf über eine Billion Euro aufgestockt und Amerikas neue Regierung plant, die US-Wirtschaft mit einem Konjunkturpaket von über 700 Milliarden US-Dollar zu unterstützen. Dennis Nacken, Kapitalmarktanalyst bei Allianz Global Investors dreht das altbekannte Sprichwort "Geld regiert die Welt" um und sagt: "Mittlerweile scheint sich das Bild zu wenden: die Welt, das heißt die Notenbanken regieren das Geld."
Das tun sie zum einen mit dem Versuch, den Preis des Geldes abzuschwächen, indem Leitzinsen gesenkt werden und durch die amerikanische Fed eine Phase der Nullzinspolitik eingeläutet wird. Zum anderen der Versuch, den Geldkreislauf wiederzubeleben, indem zum Beispiel die Fed den Aufkauf von Hypothekenschulden und besicherten Wertpapieren ausdehnt und so die Versorgung von Privathaushalten und kleinen Unternehmen mit Krediten sicherstellen will. Nacken ist der Ansicht, dass diese entschlossene Fiskal- und Geldpolitik dazu führen könnte, Geld wieder in ausrechender Menge zur Verfügung zu haben und die Wirtschaft sich so langfristig erholen könnte. Wie sich an der allmählichen Reduzierung der Risikoprämien am Interbankenmarkt und am Sinken des iTraxx-Crossover (Index für Kreditkosten) zeigt, scheinen sich erste kleine Erfolge abzuzeichnen.
Es besteht Hoffnung, dass die Finanzmärkte dem Ballast standhalten können. Konjunktur- und Gewinnerwartungen der Marktteilnehmer ohnehin schon sehr pessimistisch, Bewertungen im historischen Vergleich niedrig und die Kassenbestände von Investoren relativ hoch. Der Kapitalanalyst erwartet vor diesem Hintergrund interessante Renditechancen für langfristig orientierte Investoren.
Das Vertrauen der Marktteilnehmer wird laut Nacken nur langsam zurück kommen: "2009 wird sicher kein einfaches Jahr. Neben den Nachwirkungen der Finanzkrise, schwachen Konjunkturdaten sowie der ausgeprägten Risikoaversion der Anleger dürfte die im Januar startende Berichtssaison zu den Unternehmensgewinnen mit Blick auf die Nachfrageflaute im vierten Quartal 2008 zu einem neuen Belastungstest werden."