Der Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD) kritisiert die Abwrackprämie aufs schärfste und bezeichnet sie als "undurchdachten Schnellschuss ohne ökologische Lenkungswirkung und mit geringem konjunkturpolitischem Effekt". Zwar habe die Debatte über die Prämie zu einem spontanen Andrang in Autohäusern geführt, jedoch sei im Ergebnis keine wirkliche Ersparnis für die Kunden zu spüren, da viele Händler ihre Rabatte für PKW erheblich gesenkt haben. Wer zur Zeit für eine Gebrauchtfahrzeug mit einem Restwert von 1.000 Euro eine Abwrackprämie von 2.500 Euro erhielte, aber auf 10% Rabatt beim Kauf eines Kompaktwagens verzichten müsse, zahle drauf, warnt der VCD.
VCD-Bundesvorsitzender Michael Gehrmann:"Ob die Abwrackprämie oder die halbherzige Kfz-Steuerreform: Die Bundesregierung hat das Konjunkturpaket reflexartig und ohne jegliche Vernunft geschnürt. Der Bundestag darf dieser ökologisch fatalen und beschäftigungspolitisch wirkungslosen Pseudo-Konjunkturpolitik auf keinen Fall zustimmen. Wenn die Regierung Milliarden an Steuergeldern in die Hand nimmt, muss sie diese verantwortlich und mit Blick auf die Folgen ausgeben."
Während die Automobilindustrie darauf drängt, die Zahlung der Abwrackprämie zu verlängern, würde der VCD am liebsten schnellstmöglich ihre Abschaffung sehen. Der VCD kritisiert, die deutsche Autoindustrie habe es in der Vergangenheit versäumt, kleine und sparsame Pkw-Modelle zu promoten. Sie haben sich damit selbst in die Situation gebracht, in wirtschaftlich schweren Zeiten keine vernünftigen sparsamen Autos zum Verkauf anbieten zu können.
Der verkehrspolitische Spreche der VCD, Gerd Lottsiepen fügt hinzu: "Am besten wäre, das Parlament stoppt morgen die schädliche Abwrackprämie. Sie müsste dann selbstverständlich und ausschließlich an die Bürger ausgezahlt werden, die bis zu diesem Beschluss ihr Fahrzeug verschrottet haben. Die 1,4 Milliarden Euro, die dann im Topf bleiben, kann der Staat ökologisch und ökonomisch viel sinnvoller investieren: in die Förderung des Nahverkehrs, in die Nachrüstung von Lieferfahrzeugen mit Partikelfiltern und zur Schaffung von Kaufanreizen für wirklich energieeffiziente Pkw."
Der VCD bezweifelt, dass die 600.000 Anträge, auf die die Abwrackprämie begrenzt ist, überhaupt gestellt werden, denn die Zahl der Personen, die zur Zeit ein 9 Jahre altes Fahrzeug mit weniger als 2.500 Euro Wert haben, aber genug Geld zum Kauf eines Neufahrzeugs hätten, sei sehr gering. Erst 7% der Anträge seien bisher bei der zuständigen Behörde eingegangen. Autokäufer sollen sich nach Aussage des VCD nicht von der Propaganda beeinflussen lassen, denn das Geld für die Prämie reiche nicht aus.