Für 55% der Deutschen ist ein Leben ohne Internet undenkbar, so das Ergebnis einer neuen Studie des Hightech-Verbandes BITKOM, an der 1.000 Deutsche ab 14 Jahren teilnahmen. Unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen war der Anteil noch wesentlich höher: 78% der Personen unter 30 sagen, sie können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen.
BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer auf der CeBIT in Hannover: "Das Web ist keine virtuelle Nebenwelt mehr, es hat den Lebensstil vieler Menschen verändert. Die Unter-30-Jährigen würden eher auf das Auto oder ihren aktuellen Lebenspartner verzichten als auf Internet oder Handy!"
64% der Deutschen über 14 Jahren verfügen über einen Internetzugang zu Hause. Der Durchschnittssurfer nutzt das Internet 138 aktive Minuten pro Tag. Was besonders auffällt ist, dass die Deutschen unter 49 mit 84% gut vernetzt sind, die Menschen über 50 jedoch mit nur 40% weniger gut. "Wir müssen alle Altersgruppen auf Augenhöhe bringen", so Scheer.
Im Mittelpunkt der CeBIT 2009 steht, wie das Internet Leben und Gesellschaft verändert. Die Studie zeige eindeutig, dass das Internet kein Medium sei, das zu sozialer Kälte führe, so Prof. Scheer. Vielmehr sei das Internet ein soziales Medium par excellence. 50% der Befragten haben durch das Internet neue Freunde gefunden, in etwa über Foren und Communities wie wer-kennt-wen.de, Facebook oder MySpace. Jeder sechste hat die Erfahrung gemacht, dass das Internet der ideale Ort ist, geschäftliche Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen, wie dies etwa bei XING der Fall ist. 8% der Befragten gaben gar an, ihren Lebenspartner per Internet kennengelernt zu haben. Prof. Scheer: "Das Web stiftet reale Beziehungen und führt eben nicht zu Autismus und Entmenschlichung."
Das breite Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten ist charakteristisch für das Internet. 61% der Internetbenutzer sagen, sie haben ihre Allgemeinbildung durch Internetnutzung verbessert, 50% haben durch Online-Preisvergleiche und Internet-Shopping Geld gespart.
Prof. Scheer: "Die Grenze zwischen Job und Privatleben ist bereits gefallen. Wir appellieren an Unternehmen, diese Verschmelzung zu erkennen und in ihrer Unternehmenskultur umzusetzen" 65% der berufstätigen Befragten nutzen das Internet in ihrer Freizeit auch beruflich, 49% der User nutzt das Internet während der Arbeit auch für private Zwecke. "Die Verschmelzung von Job und Privatleben fordert auch Tarifparteien und den Gesetzgeber. Auch Politik und Sozialpartner brauchen einen Culture Change."
Nicht nur bei den Arbeitgebern sieht die BITKOM Handlungsbedarf, sondern auch beim Thema Datenschutz. Über die Hälfte der Befragten sah sich selbst zuständig, seine Daten zu schützen, 44% halten den Staat dafür verantwortlich und nur 4% sind der Meinung, die Wirtschaft habe sich darum zu kümmern. "Umso wichtiger ist es, die Debatte um ein moderneres Datenschutzrecht zu führen", kommentiert Scheer. Der Schutz sensibler Informationen wie Konto- und Gesundheitsdaten sei besonders wichtig. Laut Scheer soll dabei die Selbstbestimmung der Verbraucher im Fokus stehen.