Dem Ruf nach flexibleren Arbeitszeiten oder gar Arbeitszeitverlängerungen wird zwar häufig nachgegeben, allerdings wirken sich unregelmäßige Arbeitszeiten bzw. lange Arbeitszeiten negativ auf die Gesundheit aus. Dies wurde durch eine Stichproben-Untersuchung der BAuA bestätigt. Grundlage dieser Untersuchung waren Ergebnisse der dritten und vierten europäischen Umfrage über die Arbeitsbedingungen (2000 und 2005), die Befragung "Was ist gute Arbeit" (2004) und die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung (2006) - Daten von über 50.000 Befragten.
Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Herzbeschwerden sind die drei häufigsten gesundheitlichen Symptome, die sich in eine direkte Relation mit der wöchentlichen Arbeitszeit setzen lassen. Trotz unterschiedlicher Fragestellungen in den deutschen und europäischen Umfragen, wird aus allen vier Datensätzen ein Zusammenhang der Beschwerdehäufigkeit mit der Dauer der Arbeitszeit festgestellt.
Aus den beiden untersuchten deutschen Umfragen wird dies klar ersichtlich. Bei Teilzeitbeschäftigten mit bis zu 19 Wochenarbeitsstunden klagt nur jeder zehnte über Schlafstörungen. Bei Vollzeitarbeitnehmern mit einer Wochenarbeitszeit von 35 oder 44 Stunden ist bereits jeder fünfte betroffen. Bei Arbeitszeiten von mehr als 60 Wochenarbeitsstunden leidet bereits jeder vierte unter Schlafbeschwerden. Verstärkt werden diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch variable Arbeitszeiten, schlechte Planbarkeit der Arbeitszeit, Wochenendarbeit und Schichtarbeit.
Krankheitsbilder wie Husten, Erkältung oder Allergien werden hier nicht mit der Arbeitsdauer in Verbindung gesetzt. Dennoch sind die meisten gesundheitlichen Beschwerden laut den vier Studien den Arbeitsbedingungen zuzuordnen.
Aus den Resultaten der vier untersuchten Stichproben lassen sich direkte Zusammenhänge erkennen und bestätigen sich somit gegenseitig. Zusammenfassend ist zu sagen, dass gesundheitliche Beschwerden durch längere Arbeitszeiten negativ beeinflusst werden. Dass lange tägliche wie auch wöchentliche Arbeitszeiten das Unfallrisiko steigern ist ja bereits länger bekannt. Wenn um Arbeitszeitverlängerungen diskutiert wird, sollte nicht nur der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt werden, sondern auch ein Augenmerkt auf die gesundheitlichen Folgen gerichtet werden.