Drei bis vier Millionen Privathaushalte sind momentan verschuldet, wie "Spiegel Online" berichtet. In einer groß angelegten Studie, dem "Schuldenreport 2009", der von dem Bundesverband der Verbraucherzentralen in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, der Diakonie, dem Paritäischen Wohlfahrtsverband und dem Roten Kreuz durchgeführt wurde, kam heraus, dass viele Verbraucher ihre Kreditschulden nicht mehr aus eigener Kraft zurückführen können.
Aus dem Schuldenreport geht hervor, dass 29% der Befragten aufgrund Arbeitslosigkeit und den damit verbundenen Einkommenseinbußen in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Mit 14% als zweitgrößte Ursache wurden Scheidung und Trennung oder Tod eines Partners genannt. Allein erziehende Mütter hatten die meisten finanziellen Schwierigkeiten nach einer Trennung.
Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen (56%) lag das Nettomonatseinkommen unter 900 Euro. Der "Spiegel" gibt an, dass es sich beim Großteil der Gläubiger um Banken handelt. 60% aller Schulden entfallen auf laufende und rückständige Kredite, teils Ratenkredite. Zitat aus dem "Spiegel": "Die Verbraucher mit dem niedrigsten Einkommen bezahlen die höchsten Zinsen."
Der Begriff Überschuldung wird von Experten definiert, wenn Lebenshaltungskosten, Kreditraten und Rechnungen höher sind als die Monatseinkommen. In mehr als 50% der Fälle rutschen Menschen nach einem überraschenden Tiefschlag wie schwere Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung oder gar Tod des Partners in die Schuldenfalle.
Verbraucherverbände kritisieren, dass von Banken oft überteuerte Umschuldungen angeboten werden, die aber anstatt den Betroffenen zu helfen, diese noch tiefer in Schulden stürzen. Die Studie hat gezeigt, dass in vielen Fällen dem Provisionskonto des Bankmitarbeiters mehr geholfen wurde als dem überschuldeten Kunden.
Die Prognose der Verbraucherverbände sieht düster aus. Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise wird die Arbeitslosigkeit vermutlich weiter ansteigen, was viele Privathaushalte in schlechtere finanzielle Situationen bringen wird.
Schuldnerberatungsstellen können überschuldeten Menschen zur Seite stehen und haben schon vielen zur Schuldenfreiheit verholfen. Allerdings sind diese Stellen permanent überlastet und Betroffene müssen – obwohl ein Rechtsanspruch auf Beratung besteht - oft mehrere Monate warten bis ein Termin zur Beratung frei wird. In dieser Zeit rutschen die Schuldner immer tiefer. Verbraucherverbände fordern, dass für solche Schuldnerberatungen mehr Geld zur Verfügung gestellt wird.
Für Menschen, die keinen Ausweg mehr aus ihrer Verschuldung sehen steht seit zehn Jahren das Instrument der Verbraucherinsolvenz zur Verfügung. Allein im Jahr 2009 haben bisher fast eine halbe Million Verbraucher von dieser Möglichkeit der Entschuldung Gebrauch gemacht.
Erschreckenderweise bestätigt die Studie, dass viele Menschen nicht in der Lage sind, verantwortlich mit Geld umzugehen. Für finanzielle Fragen fehle oft das dafür nötige Wissen was dazu führt, dass sich viele Menschen blind auf die Bankberater verlassen. Diese wiederum verkaufen oft Kredite an Menschen, die sich diese eigentlich garnicht leisten könnten. Die Verfasser der Studie plädieren dafür, dass schon so früh wie möglich das Thema Geld in den Unterricht eingebunden wird, damit schon Grundschüler lernen, wie man vernünftig mit Geld umgeht. Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) und der Zentrale Kreditausschuss (ZKA, die Interessenvertretung der deutschen Kreditwirtschaft) stehen hinter dieser Forderung.