Bisher sind die meisten Menschen durch die Krise gekommen, ohne dafür größere finanzielle Einbußen in Kauf nehmen zu müssen. Die Experten warnen, dass dies sich im kommenden Jahr jedoch ändern kann.
Nach Einschätzung der Experten wird im nächsten Jahr wegen der Wirtschaftskrise die Anzahl der privaten Haushalte, die in die Überschuldung geraten, ansteigen. Anzeichen dafür seien bereits erkennbar, wie aus dem Überschuldungsreport 2009 vom verbraucherorientierten Institut für Finanzdienstleistungen IFF hervorgeht. Dieser wurde am Dienstag in Hamburg vorgelegt. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit stellen demnach die häufigsten Auslöser für die Überschuldung der Haushalte dar, gefolgt von den Auslösern Trennung und Scheidung.
Etwa 8 Prozent der Haushalte in Deutschland sind überschuldet und können die laufenden finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Dies sind 3,3 Millionen Haushalte mit einem Schuldenberg von insgesamt etwa 120 Milliarden Euro, der sich zusammen angehäuft hat: Dies macht pro Haushalt 33.338 € aus.
Hohes Risiko durch Selbständigkeit
Die IFF-Experten zählen den missglückten Start in eine Selbständigkeit zu den großen finanziellen Risiken. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unternehmensgründer, die gescheitert sind, sowie um Scheinselbständige, die nur einen einzigen Auftraggeber haben und diesen verlieren. Laut IFF-Direktor Udo Reifner lohnt sich die Selbständigkeit in Deutschland nicht, diese sei viel zu riskant. Im Durchschnitt haben die Selbständigen fast 90.000 € Schulden.
Für ihre prekäre Lage sind laut Angaben des IFF nur wenige Haushalte selbst verantwortlich. Bei den Ursachen für eine Überschuldung stehen ein überzogenes Konsumverhalten oder eine Haushaltsführung, die unwirtschaftlich ist, weit unten. Ein niedriges Einkommen stellt nach Ansicht des IFF den Hauptgrund für Schulden dar – bei acht von 10 überschuldeten Haushalten liegt der Verdienst bei weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens. Am meisten betroffen sind damit die armen Haushalte.
Die Experten bemängeln fehlende Bildung
Die Experten empfehlen als vorbeugende Maßnahme gegen eine Überschuldung vor allem mehr Grundwissen in Bezug auf Geldangelegenheiten. Der Vorstand der Stiftung "Deutschland im Plus", Michael-Burkhard Piorkowsky, fordert, dass die finanzielle Bildung an Schulen ausgebaut werden muss. In aller Regel seien schulische Angebote in diesem Bereich unzureichend.
Banken und den Handel wollen die Verbraucherschützer in die Pflicht nehmen. Denn häufig wird zu leichtfertig mit der Vergabe von Konsumentenkrediten umgegangen, was die Probleme deutlich verschärft. Nach Ansicht von Hjördis Christiansen von der Verbraucherzentrale Hamburg fängt die Verantwortung damit an, dass es keine übertriebene Werbung und keine verschleierten Kosten geben sollte.