Die Verbraucher mussten in diesem Jahr so viel für Strom zahlen wie noch nie – ab Januar folgt eine erneute Preiswelle, von der hunderttausende Kunden auch in NRW betroffen sein werden.
Bundesweit für Aufregung sorgte eine am Mittwoch veröffentlichte Studie zur Energiewirtschaft in Deutschland. Die Berliner Beratungsfirma Toptarif errechnete, dass die Preise für Haushaltsstrom in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt um 6,8 Prozent höher lagen. Die bei den 160 Versorgen bereits jetzt feststehenden Preiserhöhungen werden dafür sorgen, dass von den Haushalten in 2010 im Durchschnitt so viel für die Stromrechnung bezahlt werden muss wie noch nie.
Matthias Kurth, der Präsident der Bundesnetzagentur, kommentierte gegenüber der Redaktion: Für die Verbraucher sollten die steigenden Preise ein Anlass sein, sich nach Alternativen zum aktuellen Anbieter und dem jetzigen Tarif umzusehen. Die Preissprünge sind in der Tat erheblich. Die Stromkonzerne kassierten laut der Berechnung von Toptarif allein in diesem Jahr von den Verbrauchern 2,1 Milliarden Euro mehr pro Haushalt als im Vorjahr – dies macht pro Haushalt eine Steigerung von 50 € pro Jahr aus.
Die Preisschere zwischen den günstigen und teuren Stromanbietern geht dabei immer weiter auseinander: Bei den Unternehmen, die eine Preiserhöhung angekündigt haben, steigen die Tarife ab Januar um 6 Prozent im Durchschnitt. In NRW gehören zu den Anbietern mit teureren Stromtarifen unter anderem die Stadtwerke in Duisburg, Hilden und Dormagen. Immerhin 50 Unternehmen wagen es im nächsten Jahr sogar, die Preise zu senken – zum Beispiel in der Region um Ratingen.
Stabile Preise bei der RWE und Eon
Die Tarife bleiben unangetastet und damit stabil bei den beiden bundesweiten Marktführern RWE und Eon. Mit steigenden Ökoumlagen werden die Preiserhöhungen begründet von den Firmen, die diese angekündigt haben. Dieses Argument kann jedoch nicht logisch sein, denn alle Stromanbieter müssen dieselben Umlagen bezahlten, also auch diejenigen Stromanbieter, die in 2010 die Preise senken. Der Zuschlag für die Förderung der erneuerbaren Energien macht pro Haushalt aktuell gerade mal 3,50 € monatlich aus, dies ergab eine Berechnung des Bundesverbandes der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW).
Bundesumweltminister Norbert Röttgen will die Förderung für Solarenergie deutlich kürzen, um zu vermeiden, dass der Strompreis in den nächsten Jahren immer weiter ansteigt. Die Unternehmen mit angekündigten Preiserhöhung für Strom scheinen sich tatsächlich verspekuliert zu haben beim Einkauf der Strommengen für das Jahr 2010. Da die Stromanbieter höhere Preise im Großhandel befürchtet hatten, wurden die Lieferungen zu relativ hohen Preisen für den Strom gesichert.
Die Notierungen an der Strombörse in Leipzig sind jedoch tatsächlich gefallen. Der Marktanalyst beim Verbraucherportal Verivox kommentiert, dies könne den Stromgiganten Eon und RWE nur recht sein. Für 2010 haben die ganz großen Stromanbieter wahrscheinlich weitaus günstiger eingekauft als viele der kleineren Wettbewerber. Die Stromgiganten nutzen nun ihren Vorteil, um am Markt zu punkten.