Steigende Krankengeldkosten weil Gesetzliche Krankenkassen Sparpotenzial nicht nutzen

  1. 21.01.2010 10:17
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Viele gesetzlichen Krankenkassen wollen nun handeln, um die explodierenden Krankengeldkosten gezielter kontrollieren zu können. Zu diesem Ergebnis kamen Marktbeobachtungen, die von Steria Mummert Consulting durchgeführt wurden. Immer mehr Arbeitnehmer werden in Deutschland langfristig arbeitsunfähig. Erste Ergebnisse von Umfragen zeigten auf, dass die Ausgaben für Krankengeld in den gesetzlichen Kassen im Jahr 2009 um etwa 10 Prozent angestiegen sind. Bisher hatten die Kassen dem Trend hilf- und tatenlos zugesehen. Die Aufwendungen für Krankengeld könnten durch individualisierte Ansätze, die sich an den Kranken orientieren, um etwa 10 Prozent reduziert werden.

Wie aus ersten Erfahrungen bereits bekannt ist, kann die Verringerung um 10 Prozent im Bereich der Krankengeldkosten erzielt werden, wenn bereits ganzheitlich am Versicherten selbst und an dessen Umfeld eine entsprechende Steuerung erfolgt. Michael Heutmann, Principal Consultant Health Care bei Steria Mummert Consulting erklärt, dass noch längst nicht von allen Kassen das durch ein differenziertes Fallmanagement resultierende Potential im eigentlichen Sinne erkannt wird. Da auch in 2010 voraussichtlich weiter mit einem hohen Anstieg der Kosten für die Langzeitarbeitsunfähigen gerechnet werden muss, besteht für die gesetzlichen Kassen entsprechender Handlungsbedarf. Für viele gesetzlichen Krankenkassen können sich die hohen Kosten extrem an der sich zunehmend verschlechternden finanziellen Situation aufzeigen. Der Zwang zum Handeln ist nicht nur zum Vorteil der Krankenkassen – auch die Kranken selbst können davon profitieren. Durch differenziertes Fallmanagement wird der Heilungsprozess für die langfristig Arbeitsunfähigen aktiv gefördert.

Der Anteil der langfristig arbeitsunfähigen Arbeitnehmer steigt insgesamt deutlich im Vergleich zu den kurzfristigen Zeiten der Arbeitsunfähigkeit. Ein hauptsächlicher Grund für diese Situation liegt darin, dass aufgrund der Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes viele Arbeitnehmer weiterarbeiten, obwohl sie eigentlich krank sind. Dies geht bis zur vollkommenen Erschöpfung und führt somit zu langfristigen Ausfallzeiten. Vor allem im Bereich der psychischer Erkrankungen konnte ein drastischer Anstieg verzeichnet werden. Gerade diese Erkrankungen gehen oftmals mit langen Ausfallzeiten einher. Diese liegen zwischenzeitlich nach den Skelett- und Muskelerkrankungen auf Platz 2 der häufigsten Krankheitsfälle.

Von den Krankenkassen sind daher immer häufiger Bemühungen zur Unterstützung der Langzeitarbeitsunfähigen festzustellen. Durch eine spezielle Förderung von gezielten Heilungsprozessen soll die Rückkehr in das Arbeitsleben schneller ermöglicht werden können. Die Betreuung der langfristig Kranken erfolgt bei den Kassen zwischenzeitlich häufig durch geschulte Fallmanager und nicht mehr, wie bisher, durch eine administrative Sachbearbeitung für die Leistungen, bei der die höchste Priorität in der Prüfung der Ansprüche und Zahlungsbegleichungen liegt. Durch das individuelle Fallmanagement kann eine aktive Steuerung der Behandlungsmaßnahmen erzielt werden.

Der Handlungseffekt der gesetzlichen Krankenkassen könnte dabei noch höher ausfallen, wenn die Konzentration nicht mehr nur auf der Erkrankung selbst liegt. Sämtliche Aspekte der Erkrankung sollten in höherem Maße als bisher in jedem individuellen Fall berücksichtigt werden. Dabei ist es sinnvoll, wenn das Umfeld und die Situation der langfristig Kranken umfassend in Betracht gezogen werden. Neben der eigentlichen Art der Erkrankung sollen dabei auch das Alter, das Geschlecht und das Umfeld der Beschäftigung im Fallmanagement berücksichtigt werden. Aktuell werden meistens sämtliche Patienten, die an derselben Erkrankung leiden, auch ähnlich behandelt. Dabei wird zum Beispiel bei einer Rückenerkrankung aktuell noch selten darauf geachtet, ob es sich bei dem Erkrankten um einen jungen Arbeiter handelt oder um einen Angestellten, der kurz davor steht, in Rente zu gehen.




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