Investitionen von etwa 400 Millionen Euro sollen nach Schätzung der Europäischen Kommission für neue, intelligente Stromnetze innerhalb von Europa notwendig werden. Der Megatrend heißt Smart Grids, die für eine Überwachung und Optimierung bei der Einspeisung von Energien in die Stromnetze sorgen und den Strom zum Zeitpunkt abrufen, wenn dieser am günstigsten ist. Die Chancen, den lukrativen Smart-Grid-Markt zu nutzen, könnte den Energieversorgern in Deutschland entgehen.
Italien und Frankreich investieren in die Technik der Smart Grids bereits durch den landesweiten Einsatz von elektronischen Zählern. Nach den Marktbeobachtungen von Steria Mummert Consulting ist in Deutschland noch nichts von vergleichbaren Ansätzen zu vernehmen. Hagen Förster, der Senior Manager von Steria Mummert Consulting, befürchtet, dass sich die Konzentration der deutschen Energieversorger lediglich auf die rechtlichen Vorgaben konzentrieren werden. Dies sei bereits beim Smart Metering mit den elektronischen Zählern zu beobachten gewesen. Dabei geht er davon aus, dass die Energieversorger den Risiken eine höhere Bewertung zukommen lassen als den Chancen. Ganzheitliche Konzepte im Hinblick auf die intelligenten Stromnetze seien jetzt notwendig, an denen auch das Smart Metering ausgerichtet werden sollte.
Bereits seit Januar müssen in Neubauten verpflichtend intelligente Zähler eingebaut werden. Dasselbe gilt für grundlegende Renovierungen oder auf speziellen Kundenwunsch. Die Investitionen in die intelligenten Zähler ist seitens der Energieversorger nur zögerlich und beschränkt auf die gesetzlichen Mindestanforderungen zu beobachten.
Durch die hoch angesetzten Klimaziele der Bundesregierung steigt jedoch der Handlungsdruck der Energieversorger. Die Smart Meter zählen zusammen mit den intelligenten Stromnetzen zu den wesentlichen Komponenten, um die umweltfreundlichen Energiepolitik umzusetzen. Vermutlich werden vom Gesetzgeber strengere Auflagen folgen. Gleichzeitig zeigt sich die aktuelle Infrastruktur den Herausforderungen nicht mehr als angemessen. Durch die Einspeisung von Energie aus Biogas-, Photovoltaik- und Windkraftanlagen der dezentralen Energieerzeuger wird immer mehr Strom in die Netze eingespeist. Dadurch wird eine komplexere Strukturierung notwendig.
Zudem werden in Zukunft mehr Elektroautos fahren, für die ein Zugang zum Stromnetz bestehen muss. Etwa jedes 5. Auto könnte im Jahr 2020 bereits über Batterien angetrieben werden. Eine komplette Erneuerung der Infrastruktur der Stromnetze wird für die Energieversorger in den nächsten Jahren notwendig werden. Hierfür sind die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien wichtig. Um neue Marktpotenziale zu erschließen, die durch Smart Grids möglich werden, und zur Erreichung von Wettbewerbsvorteilen besteht jetzt Handlungsbedarf. Nach Ansicht des Experten von Steria Mummert Consulting gilt es jetzt, ganzheitliche Konzepte zu entwicklen und die Ideen in der Planung und Umsetzung zu konkretisieren, wofür auch Kooperationen im branchenübergreifenden Bereich notwendig sind.