Gegenstudie beweist: Arbeiten lohnt sich in Deutschland

  1. 04.03.2010 10:27
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Die Welt Online berichtet, dass gemäß einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Geringverdiener mehr netto bekommen als dies bei Arbeitslosen der Fall ist. Dies steht im krassen Gegensatz zu der in letzter Zeit gerne zitierten Studie des Bundes der Steuerzahler, wonach Hartz-IV-Empfänger finanziell besser da stehen.

Die Studie zeigt, dass selbst bei geringem Verdienst eine Person in Vollzeitanstellung mehr Geld zur Verfügung hat als ein Hartz-IV-Empfänger in gleicher familiärer Situation. Bei der Präsentation der Studie wurde gar darauf hingewiesen, dass selbst bei einem Stundenlohn unter 6 Euro noch immer finanzielle Vorteile für den Arbeitnehmer im Gegensatz zum Arbeitslosen bestehen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband zeigt in einer Beispielsrechnung, dass Hartz-IV-Empfänger selbst dann finanzielle Vorteile hätten wenn sie einen Job für 5,90 Euro pro Stunde annehmen würden. Je nachdem wie groß die Familie ist, sind finanzielle Unterschiede von 260 und 900 Euro für den Arbeitnehmer drin. Dabei spielen Kinderzuschlag und Wohngeld eine große Rolle, denn diese sorgen oft dafür, dass kein Hartz-IV beantragt werden muss. Dies kommt vor allem Familien zugute, bringt aber einem Haushalt ohne Kinder keine Vorteile: Hier muss dann in der Regel mit Hartz-IV aufgestockt werden.

Die Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes umfasst fast 200 Beispielrechnungen. Geschäftsführer des Verbandes Ulrich Schneider spricht von Täuschung der Öffentlichkeit, wenn immer wieder behauptet werde, Arbeit lohne sich in Deutschland nicht mehr. Man habe mit – so Schneider wörtlich - "äußerst dubiosen Rechenbeispielen" die Tatsachen verdreht und falsch dargestellt. Nach Schneiders Einschätzung sei der Abstand zwischen den Löhnen von Arbeitslosen und Erwerbstätigen durch Leistungen wie Kindergeld und Wohnzuschüsse gewahrt.

Leider würde die Studie des Bundes der Steuerzahler jedoch mehr beachtet, wie auch die Äußerungen Westerwelles im Laufe der Diskussionen zeigten. Schneider kritisiert die Berechnungen, da diese einen falschen Eindruck erweckten. Die Differenz zwischen Erwerbseinkommen und Sozialleistungen sei jedoch weitaus höher als aufgrund dieser Studie angenommen. Selbst Tätigkeiten, die ohne Ausbildung ausgeführt werden können, so genannte Anlerntätigkeiten, würden dem Arbeitnehmer mehr Geld bringen als wenn dieser zu Hause bleiben und nichts arbeiten würde. Es würde immer wieder davon gesprochen, dass der Anreiz für Hatz-IV-Empfänger fehle, eine Arbeit anzunehmen, da sie auch ohne Arbeit annähernd so viel Geld hätten als mit. Dem widerspricht Schneider.

Die von der FDP propagierte Senkung der Einkommenssteuer würde laut der gleichen Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes an der Situation der Geringverdiender nichts ändern. Eine bessere Lösung sei durch Verbesserungen des Kinderzuschlags machbar, aber auch vor allem durch einen Rundumschlag auf dem Niedriglohnsektor. Schneider weist darauf hin, dass die Bundesregierung umgehend das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes bezüglich des Existenzminimums umsetzen und überprüfen muss. Um eine Ausbeutung des Hartz-IV-Systems zu vermeiden seien laut Schneider Mindestlöhne von nicht unter 6 Euro nötig.




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