Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg CSU teilte auf der 50-Jahresfeier des Reservistenverbandes an, dass die Wehrdienstverkürzung vorgezogen werden soll. Diese war bisher zum Stichtag 1. Januar 2011 geplant. Nach Informationen von Herrn zu Guttenberg soll die Verkürzung der Wehrzeit auf 6 Monate bereits für Rekruten gelten, die zum 1. Oktober 2010 einrücken. Gleichzeitig plant der Verteidigungsminister eine Erhöhung der Zahl der Wehrpflichtigen, die jährlich einberufen werden, von 40.000 auf 50.000. Die Einberufungstermine sollen dabei künftig flexibler gestaltet werden können.
Der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe SPD zeigt sich dagegen skeptisch gegenüber den Plänen des Verteidigungsministers. Er äußerte Kritik an der Verkürzung der Wehrdienstzeit von bisher 9 Monaten auf 6 Monate. Nach Angaben von Herrn Robbe gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger steht die Truppe der Verkürzung in überwiegendem Maße skeptisch gegenüber, da derzeit nicht erkennbar ist, in welche Richtung das Ganze künftig tendieren soll.
Am vergangenen Dienstag hatte der scheidende Wehrbeauftragte seinen letzten Jahresbericht vorgestellt, in dem über schwere Mängel in der Ausrüstung, Versorgung und Ausbildung der Truppe ebenso geklagt wird, wie über Defizite in der Besoldung und der Beförderung. Gleichzeitig wird darin der Sanitätsbereich der Bundeswehr scharf kritisiert mit der gleichzeitigen Forderung von personellen Konsequenzen. Klares Versagen wird dabei dem Inspekteur Sanitätsdienst vorgeworfen.
Robbe forderte dabei nicht nur strukturelle Verbesserungen innerhalb der Bundeswehr, sondern auch stärkeren gesellschaftlichen Rückhalt für die Soldaten aus Deutschland, die sich in Auslandseinsätzen befinden. Nach Angaben des Wehrbeauftragten gegenüber der Welt leiden die deutschen Soldaten auf Auslandseinsätzen darunter, dass seitens der Mitbürger zu wenig moralische Unterstützung gezeigt wird. Das Einfühlungsvermögen der deutschen Bürger gegenüber den Soldaten, die sich ja nicht freiwillig für die Auslandseinsätze entscheiden, sei deutlich zu gering. Hier sieht der Wehrbeauftragte nicht nur die Politik im Zugzwang. Hierfür seien vielmehr auch sämtliche Organisationen aus den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur in der Pflicht.