Nach Angaben des Bundesversicherungsamts soll die Finanzlücke der gesetzlichen Krankenkassen 2011 noch höher ausfallen, als bisher angenommen. Wie der focus berichtet, geht das Bundesversicherungsamt von einem Defizit für 2011 aus, das in einer Höhe von bis zu 15 Milliarden Euro liegen könnte. Sollte die Konjunktur ungünstig verlaufen, wären die Finanzlücken im "kranken" Gesundheitssystem damit weitaus höher, als bisher erwartet. Diese Informationen stammen nach Presseangaben von einem Papier für die Regierungskommission.
Sollte die Konjunktur einen günstigeren Lauf nehmen, geht das Bundesversicherungsamt von einer Finanzlücke in Höhe von 6,4 Milliarden Euro im Gesundheitssystem für 2011 aus. Die bisherigen Schätzungen der Experten lagen bei einem Defizit der Krankenkassen bis maximal 12 Milliarden Euro. Bei den gesetzlichen Krankenkassen fehlen im Vergleich dazu bereits 2010 8 Milliarden Euro – in dieser Berechnung ist der Steuerzuschuss noch nicht berücksichtigt.
Ein Lösungsvorschlag, der derzeit für Diskussionen sorgt, ist die Kopfpauschale:
Norbert Klusen, der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse TK, teilt als bisher erster Chef einer großen deutschen Krankenkasse die Ansicht von Gesundheitsminister Philip Rösler und befürwortet die sogenannte Kopfpauschale. Der TK-Chef gab gegenüber dem Hamburger Abendblatt an, das Philip Rösler durchaus Recht habe mit seiner Ansicht, dass ein Sozialausgleich über das Steuersystem möglich wäre.
Sowohl Opposition, als auch Gewerkschaften reagieren auf die Kopfpauschale mit heftiger Kritik. Ihrer Ansicht nach, würde die Kopfpauschale die Bürger zu Bittstellern machen. Diese Kritik wies der TK-Chef zurück, da die Bundesbürger aufgrund einer Antragsstellung auf einen berechtigten Anspruch nicht zu Bittstellern werden. Schließlich würden Millionen deutsche Bürger Kindergeld oder Wohngeld erhalten, wofür der Anspruch mittels eines Antrags geltend gemacht wird.
Karl Lauterbach, der Sozialexperte der SPD, dagegen sieht keine Möglichkeit, die Kopfpauschale politisch durchzusetzen. Zum einen sind 80 Prozent der Bürger gegen die Kopfpauschale und zum anderen seien die notwendigen Mittel für einen Sozialausgleich nicht vorhanden. Nach Ansicht von Herrn Lauterbach, könnte die Kopfpauschale zu einem Fiasko für Herrn Rösler resultieren.
Wie Gesundheitsminister Rösler nach der ersten Sitzung der Regierungskommission am Mittwoch mitteilte, seien sich die Minister einig, dass dies nur umsetzbar ist, sofern ein unbürokratischer, vernünftiger und in der Praxis funktionierender Sozialausgleich geschaffen werden kann. Die erste Sitzung der 8 Bundesminister zur Gesundheitsreform forderte jedoch keine greifbaren Ergebnisse zu Tage. Laut Rösler war ein wichtiges Thema die Abschaffung der engen Bindung von Lohnzusatzkosten und Kassenbeiträgen auf langfristige Sicht.
Gegen das im Rahmen der Kopfpauschale geplante Einfrieren der Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen kündigten die Gewerkschaften entsprechenden Widerspruch an. Dies wäre die Folge aus der Kopfpauschale, die nicht mehr vom Einkommen abhängig ist. Klaus Wiesehügel, der Chef der IG-Bau fordert jedoch, dass das Gesundheitswesen sowohl von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern finanziert werden müsse. Klaus Wiesehügel ist gleichzeitig auch Mitglied in der DGB-Kommission zur Zukunft des Gesundheitssystems.