Wie die „Bild“ berichtet, hat der Chef der Techniker Krankenkasse Norbert Klusen, eine Privatisierung der deutschen gesetzlichen Krankenkassen gefordert, die dann in einem eng gesteckten Gesetzesrahmen agieren sollen wie jedes andere private Unternehmen auch, jedoch ohne Gewinnerzielungsabsicht. Klusen verspricht sich damit die Abschaffung der großen Kluft zwischen privat und gesetzlich Krankenversicherten.
Der Chef der Techniker Krankenkasse bewertet die neu eingebrachten Ideen von Philipp Rösler als Vorstoß in die richtige Richtung und bewertet sie als „die mutigste und nachhaltigste Reform, die je ein Gesundheitsminister im Arzneimittelbereich gemacht hat. Rösler plant Einsparungen im Bereich der Pharmaindustrie, vor allem durch neue Regelungen für den Medikamentengroßhandel, die im Milliardenbereich angesiedelt sind.
Im Gegensatz zu Klusen, der die von Gesundheitsminister Rösler ins Gespräch gebrachte Kopfpauschale ablehnt, empfiehlt der niederländische Gesundheitsminister Ab Klink, dieses in Holland so erfolgreiche Gesundheitsmodell auch in Deutschland einzuführen. Die Kopfpauschale gibt es in den Niederlanden bereits seit 2006, wie Klink sagt, mit Erfolg. Die Hälfte der Ausgaben, die die Krankenkassen zu leisten haben, werden dort über Prämien finanziert, die vom Einkommen des Versicherten abhängen. Rund 70% der niederländischen Haushalte werden per Sozialausgleich unterstützt, der automatisch über die Steuerbehörden abläuft. Klusen erwidert, dass eine Kopfpauschale in der Größenordnung von ca. 25 Euro pro Person den Steuerzahler insgesamt fast 5 Milliarden Gelder für den Steuerausgleich kosten würde.
Klink berichtet, dass das Gesundheitssystem in seinem Land seit Einführung der Kopfpauschale wesentlich gerechter geworden sei. Die zuvor befürchtete Bürokratisierung sei nicht eingetreten, der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen sei ordentlich angefeuert worden und der Sozialausgleich hätte keinerlei Probleme bereitet. Der niederländische Gesundheitsminister rät, das System paritätisch zu finanzieren, d. h., das beide Parteien – Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen in die Krankenversicherung einzahlen.
Berichten der "Süddeutschen Zeitung" zu Folge planen Gesundheitsexperten von CDU und CSU ein sogar noch härteres Vorgehen gegen Preismonopole und Rabattverträge der Pharmaindustrie als es Rösler propagiert. Unter anderem sei geplant, Preise für Medikamente für einige Jahre nicht zu erhöhen und Arzneien, die im internationalen Vergleich in Deutschland zu teuer angeboten werden, mit einer Höchstgrenze zu versehen. Außerdem sollten nach Willen der Union solche Arzneimittelhersteller, die Medikamente überteuert verkauft haben, diese Überzahlungen zurück erstatten.