Unter den deutschen Politikern ist ein Streit darüber entbrannt, warum Alleinerziehende den großen Anteil von über 40 Prozent der Hartz-IV-Emfänger ausmachen, nämlich 635.000 von 1,58 Millionen, von denen wiederum 232.000 keinen Job haben.
Für den Vorstand der Bundesagentur Heinz Alt ist ein wesentlicher Aspekt, dass die finanziellen Anreize fehlen. Alleinerziehende erhalten den vollen Satz, dazu eine Zulage für Alleinerziehung. Neben den Wohnkosten und diversen Vergünstigungen wie z. B, den Erlass der Rundfunkgebühren oder KITA-Beiträgen, sowie vergünstigte Schulbuchleihe kommt da ein monatlicher Betrag zusammen, der in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis erst mal verdient sein muss. Auch brauchen sich die Alleinerziehenden hier nicht zu sorgen, ob der unterhaltspflichtige Elternteil den Kindesunterhalt zahlen kann.
Ziel der Bundesparteien ist es auf jeden Fall, viele dieser Fälle in ein Arbeitsverhältnis zu bringen. Nach Angaben der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen möchte die Hälfte der alleinerziehenden Hartz-IV-Empfänger gerne wieder selbst für den monatlichen Lebensunterhalt aufkommen. Ein großes Problem wäre jedoch die Kinderbetreuung, die sich oft nicht mit den Arbeitszeiten vereinbaren ließe. Hier will von der Leyen ansetzen. Sie schlägt vor, dass Jobcenter die Suche nach Betreuungsmöglichkeiten unterstützen.
Die SPD plädiert sogar für einen gesetzlichen Anspruch auf ganztägige Kinderbetreuung für Alleinerziehende. Die anfallenden Kosten in Höhe von zwei Milliarden Euro sollen durch die Streichung des Betreuungsgeldes ausgeglichen werden.
Ein Blick auf die Statistiken zeigt jedoch, dass die Betreuung nicht das einzige Problem sein kann: In Sachsen, wo der Anteil an Alleinerziehenden mit 60 Prozent am höchsten ist, sind genug Betreuungsplätze vorhanden. Was fehlt, sind offene Arbeitsstellen.
Der Vizechef der Unionsfraktion Johannes Singhammer mahnt darüber hinaus, dass über die Diskussion um Alleinerziehende auch nicht die Familien vergessen werden dürften, gerade wenn sie mehrere Kinder hätten.