TK: Psychische Erkrankungen in Deutschland um 40 Prozent gestiegen

  1. 01.06.2010 08:22
  2. Hartz 4
  3. Tarifeverzeichnis

Der Krankenstand in Deutschland hat nach einem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) mit 3,3 Prozent wieder die Marke von vor zehn Jahren erreicht. Neu jedoch ist die Verlagerung von körperlichen auf psychische Krankheiten. Deren Anteil ist bei den Erwerbstätigen in den letzten Jahren um 40 Prozent gestiegen.

Demnach werden Fehlzeiten in erster Linie mit Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowie durch psychische Störungen belegt. Von den durchschnittlich 12 Krankheitstagen des letzten Jahres machten Letzteres 1,6 Tage aus.

Der Vorsitzende des TK-Vorstands Professor Dr. Norbert Klusen begründet dies mit dem starken Wandel der Arbeitswelt in den letzten zehn Jahren. Befristete Arbeitsverhältnisse und eine ständige Erreichbarkeit durch die neuen Kommunikationsmittel würden den Menschen zu schaffen machen. Klusen bezeichnet dies als ein "Pop-up-Arbeitswelt", weil bei der Arbeit am Bildschirm ständig neu erscheinende Meldungen den Arbeitsrhythmus bestimmen.

Auch die Verordnung von Antidepressiva, deren Zahl sich bei Frauen nahezu verdoppelt habe, sei beunruhigend. Noch höher ist deren Wert bei Männern, dort liegt er fast bei 120 Prozent. Hier liegt der Anteil bei den Arbeitslosen jedoch noch höher als bei den Berufstätigen. Bei den arbeitslosen Männern ist dieser Wert um 200 Prozent höher als bei den Berufstätigen, bei den Frauen sind Arbeitslose doppelt so häufig betroffen als ihre arbeitenden Geschlechtsgenossinnen. Das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung in Hannover (ISEG) nennt diese Zahlen. Deren Sprecher Dr. Thomas Grobe führt an, dass Arbeitslose in allen Krankheitsbereichen überdurchschnittlich betroffen seien, besonders aber bei den psychischen Erkrankungen.

Der große Anteil der psychisch bedingten Krankheitstage liegt besonders in der Tatsache, dass diese Art der Erkrankung von langer Dauer ist. Dies kann man am Bezug von Krankengeld sehen, das erst gezahlt wird, wenn die sechswöchige Frist der Lohnfortzahlung bei Erwerbstätigen abgelaufen ist. War diese Zahl in den ersten Jahren der letzten Dekade noch rückläufig, so stieg dieser Wert nach der Einführung von Hartz-IV in 2005 auf 30 Prozent gegenüber 26 Prozent in 2004. Auch die Zahl der Tage mit Anspruch von Krankengeld stieg in diesem Zeitraum von durchschnittlich 84 auf 100 Tage.

Die Einführung von Hartz IV brachte die auffälligsten Veränderungen bei den Gesundheitsdaten. Somit birgt eine Veränderung in der Arbeitsmarktpolitik nach der Ansicht des TK-Vorstands auch eine Sparmaßnahme bei der gesetzlichen Krankenversicherung.




18.04.Deutschland im Außenhandelsrekord
10.04.Immer mehr Kinder haben psychische Probleme
22.03.Internet-Kriminalität: Bereits jeder Zweite betroffen
21.03.Atomenergie: Deutschland nicht gegen Super GAU gewappnet

11.05.Hartz IV: Keine Wohnkostenpauschale und Verlängerung der Umzugsfrist
26.04.Betreuungsgeld - für ALG-II-Empfänger eine Mogelpackung?
17.04.Soziale Sicherungsfunktion der Arbeitslosenversicherung nimmt ab
16.03.Bundesagentur für Arbeit meldet: Weniger Harte-IV-Betrugsfälle
15.03.Urteil: Hartz IV-Empfänger haben Anspruch auf Nachsendeauftrag

Weiterführende Informationen: