Bereits seit langem fordern die Privaten Krankenversicherungen (PKV), mehr Rechte zu bekommen und damit den Gesetzlichen Krankenkassen gleichgestellt zu werden. Sie möchten selber die Möglichkeit erhalten, direkt mit Leistungserbringern wie Pharmakonzernen, Ärzten und Kliniken über Preise und Qualität zu verhandeln.
In der letzten Jahrestagung des PKV-Verbandes forderte deren Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte nochmals, dass die Neuerungen für Gesetzliche Krankenkassen auch auf die PKVs übertragen werden müssten. Ebenso sollte der PKV-Verband zur Vermeidung ausufernder Kosten für die gesamte Branche eigene Verträge abschließen dürfen. Bislang wurde den Privaten dieses Recht noch nicht zugestanden.
Nun sieht es gut aus, dass den Forderungen des Verbandes entsprochen wird. Die Regierungskoalition hat der PKV bereits eine dahingehende Zusage gemacht. Das Sparpaket für die Gesetzlichen Krankenkasse würde künftig auch für die PKV eine wirkungsgleiche Anwendung finden. Sowohl Hermann Gröhe (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) als auch Ulrike Flach (FDP) stimmten zu, dass die PKV genau so von Kostensenkungen profitieren müssten wie die Gesetzlichen Krankenkassen. Auch Andrea Nahles (SPD) stimmt diesem Tenor zu.
Schulte begrüßt dies. Schließlich sei es in unserem Gesellschaftssystem üblich, dass Verträge frei ausgehandelt werden könnten. Die PKV dürfe nicht als Zahlmeister oder Lückenbüßer dienen, indem sie die fehlenden Einnahmen der Leistungserbringer ausgleichen, die sie künftig von den Gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr bekommen.
Uneinigkeit herrscht jedoch im Bundestag immer noch, wie es in der Krankenversicherung weitergehen soll. Die Oppositionsparteien haben die Bürgerversicherung weiterhin als Ziel. Eine Gebührenordnung für Zahnärzte, von der auch die PKV profitieren kann, wird derzeit überarbeitet. Auch die Neufassung der ärztlichen Gebührenordnung schürt nach Aussage des PKV-Direktors Volker Leienbach die Hoffnung, dass es hier zu einer Verbesserung der Strukturen kommt.
Weitere Änderungen stehen an. So soll die dreijährige Wartefrist vor einem Wechsel in die PKV – neben den Kostenproblemen eine Folge der letzten Gesundheitsreform - künftig abgeschafft und Zusatzleistungen und Wahltarife der GKV, die vor noch gar nicht langer Zeit eingeführt wurden, wieder beschnitten werden. Die GKV soll in ihren Funktionen klarer von der PKV getrennt werden. Auch muss noch eine Lösung für eine kapitalgedeckte Pflegeversicherung gefunden werden.
Gröhe bestätigte noch einmal, dass Union und FDP die Gesundheitsthemen aus dem Koalitionsvertrag unbedingt umsetzen wollen. Schulte drängt auf schnelles Handeln.