Psychisch Kranke machen größten Teil an Kliniktagen aus

  1. 30.07.2010 08:18
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Unsere Gesellschaft hat sich im Laufe der letzten Jahre verändert und somit auch das Krankheitsbild. So hat sich der Anteil psychischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren drastisch erhöht. Heute machen sie beim Anteil der Behandlungstage in deutschen Kliniken den größten Teil aus und haben Herz- und Kreislauferkrankungen von diesem Spitzenplatz verdrängt. Der Anteil psychisch bedingter Klinikaufenthaltstage liegt nach dem Krankenhausreport der Barmer GEK 2010 bei 17,2 Prozent aller Behandlungstage und ist damit mehr als doppelt so hoch wie 1990, als der Anteil der psychisch bedingten Behandlungstage noch 8,2 Prozent ausmachte.

Die Ursachen dafür sind sicher vielschichtig. Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK Rolf-Ulrich Schlenker geht davon aus, dass der Anteil der Behandlungen, die auf die Alterung der Gesellschaft zurückzuführen sind, eher gering ist. Vielmehr vermutet er dahinter eine Tendenz zur Überversorgung.

Friedrich Wilhelm Schwartz vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung an der Medizinischen Hochschule in Hannover und frühere Gesundheits-Sachverständige der Bundesregierung sieht es als besonders erschreckend an, dass etwa 25 Prozent aller psychischen Leiden durch den übermäßigen Konsum von Alkohol ausgelöst werden. Hier sind besonders Männer im mittleren Alter betroffen. Hier sieht Schwartz die Politik in der Verantwortung, mehr für die Vorbeugung zu tun.

Der Grund, warum psychische Leiden einen so großen Anteil an Krankenhaustagen ausmachen, liegt auch darin, dass jeder Einzelfall eine vergleichsweise lange Behandlungsdauer erfordert. So ist bei Männern ein durchschnittlicher Klinikaufenthalt von 20 Tagen erforderlich, Frauen liegen im Durchschnitt sogar noch 6 Tage darüber.

Die repräsentative Untersuchung des Instituts basiert auf den Daten von 8,5 Millionen Versicherten der Barmer GEK. Demnach werden die Krankenhausaufenthalte bei körperlichen Erkrankungen kürzer, jedoch werden häufiger Patienten in das Krankenhaus eingewiesen. Die Zahl der Einweisungen stieg von 182 auf 186 Einweisungen je 1.000 Versicherte. Ein Klinikaufenthalt dauert bei körperlichen Erkrankungen fünf bis zehn Tage. Die längsten Krankenhausaufenthalte weisen Berlin, Hamburg und Sachsen auf. Am kürzesten halten sich die Patienten in Bayern, Niedersachsen und Thüringen in Klinken auf.

Nach den psychisch und aufgrund von Herz- und Kreislauferkrankungen bedingten Klinikaufenthalten werden in der Statistik die Hüft- und Knie-Operationen angeführt. Für Hüft- und Knieprothesen, Folgeoperationen sowie die anschließenden Reha-Behandlungen gaben die Gesetzlichen Krankenkassen in 2009 etwa 3,5 Milliarden Euro aus, was etwa 2 Prozent der Gesamtausgaben der Krankenkassen ausmacht. Die Anzahl der Knieoperationen hat in den letzten sieben Jahren um mehr als die Hälfte zugenommen, die Anzahl der Hüftoperationen stieg um fast ein Fünftel an.




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