Nach einer Studie, die die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben hat, kassieren Stromanbieter bei ihren Kunden zu hohe Strompreise ab. Sie geben die Preissenkungen, von denen sie beim Einkauf an der Leipziger Börse profitieren, nicht an die Verbraucher weiter. Dadurch entstehen den Stromkunden deutschlandweit Nachteile in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Ein Durchschnittshaushalt mit vier Personen könnte jährlich etwa 50 Euro einsparen.
Diese Zahlen gab die Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Bärbel Höhn, am Dienstag im Deutschlandfunk bekannt. Die Strompreise an der Leipziger Strombörse seien in den letzten zwei Jahren um bis zu 40 Prozent gesunken. Die Strompreise seien von den Konzernen allerdings im gleichen Zeitraum erhöht worden. Nach Ansicht Höhns ist auch die Umlage für erneuerbare Energien angesichts der gesunkenen Beschaffungspreise kein Argument für diese Preiserhöhungen.
Kritik kommt auch von der Sprecherin für Energiewirtschaft der Bundestagsfraktion, Ingrid Nestle. Sie wirft insbesondere dem Stromkonzern RWE vor, die erneuerbaren Energien als Argument für Strompreiserhöhungen zu missbrauchen. Gegenüber dem Handelsblatt gab sie an, dass die Preiserhöhungen die Stromproduktion in Atomkraftwerken lukrativer machen würde. Dies blockiere wiederum den Ausbau der erneuerbaren Energien. RWE hatte seine letzte Preiserhöhung zum 1. August um 7,3 Prozent mit gestiegenen Beschaffungskosten begründet. Nach Angaben Nestles würde der Konzern mit dieser Preiserhöhung seine Erlöse um 100 Millionen Euro steigern. Von der Preiserhöhung sind etwa zwei Millionen Haushalte betroffen. 85 Prozent der deutschen Haushalte werden von wenigen großen Konzernen mit Strom beliefert. Dies stellt praktisch ein Monopol dar. Höhn forderte nun, diese Monopolstellung aufzuheben, um Verbraucher vor unbegründeten Preiserhöhungen zu schützen.