Weltweit sorgen die schlechten Wirtschaftsdaten des Immobilien- und Häusermarkts in den USA für eine Sicherheitspanik an der Börse, die dementsprechend mit Einbrüchen reagierte. Grund für die Angst der Anleger ist nicht zuletzt, dass die schlechte Situierung des Häusermarkts in den USA als Auslöser für die letzte Finanzkrise gilt. Am Immobilienmarkt in den USA gingen die Verkäufe im Juli überraschend stark zurück mit einem Einbruch von 27,2 %. Nach Angaben von Teunis Brosens, dem Ökonom bei der ING, sind diese Zahlen erschreckend und könnten zum Zusammenbruch des Wirtschaftsaufschwungs in den USA führen.
Die Anleger bangen nun, dass es erneut zu einer globalen Rezession kommt, da bereits weltweit zu erkennen ist, dass sich der Wachstum der Wirtschaft verlangsamt. Dadurch käme es zu einem Double-Dip, da das Vertrauen in den Erfolg des Wirtschaftssystems durch 2 Finanzkrisen und Rezessionen in kurzen Abständen deutlich erschüttern wird. Experten bezeichneten die aktuelle Situation bereits als Genickbrecher-Rezession.
Für diese Situation gibt es zahlreiche historische Beispiele. In den frühen 1930er-Jahren kam es nach der Weltwirtschaftskrise zu einem erneuten Einbruch 1937 und 1938. Dies prägte die Entscheidungen der Anleger für lange Zeit. Amerika erholte sich gegen Mitte der 1940er-Jahre, in Europa dauerte die Erholungsphase noch länger. Erst in den 1950er-Jahren hatte sich die europäische Wirtschaft von den folgen des Doppelschlags erholt. In Japan kam es in den 1990er-Jahren zu einer doppelten Rezession.
Noch steht in der deutschen Wirtschaft der Aufschwung im Vordergrund, doch an der Börse breitet sich bereits die Angst vor einer erneuten Rezession aus, die sämtliche Erholungen der Konjunktur und der Börse seit der erst eineinhalb Jahre zurückliegenden Finanzkrise wieder ruiniert. Die Investitionen reduzieren die Anleger aufgrund dieser Prognose bereits auf ein Minimum, das Vertrauen in die Märkte ist am Boden.
Sämtliche risikoreichen Anlagen wurden nach den schlechten Meldungen am Dienstag vom Immobilienmarkt in den USA von den Anlegern abgestoßen, dafür stieg die Nachfrage nach Staatsanleihen von weniger großen Volkswirtschaften, die bei den Investoren als Anlagen mit hoher Sicherheit gelten. Im Handelsverlauf verlor der Dax 2,4 Prozent. Die Börsen der Euro-Randländer mit der sowieso bereits angeschlagenen Wirtschaft wurden dabei besonders getroffen. Am irischen Markt wurde ein Rückgang um 5,5 % verzeichnet, am Markt in Griechenland um über 3 %. Die Rentenmärkte in der Euro-Peripherie erlitten teilweise ebenfalls hohe Verluste.
Die Rendite der deutschen Bundespapiere fiel auf ein historisches Tief von 2,14 % bei Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren. Die Rendite der Treasuries, den amerikanischen Regierungstiteln, über 10 Jahre fielen auf 2,5 %. Die Nachfrage für Gold stieg ebenfalls, sodass der Unzenpreis mit 1.235,50 US-Dollar ein Siebenwochenhoch erreichte.
Dennoch stehen nicht alle Experten der aktuellen Situation an der Börse und dem Immobilienmarkt in den USA so negativ gegenüber, einige halten das Risiko einer neuerlichen Rezession für eher unwahrscheinlich. Aufgrund der Angst der Anleger vor einer erneuten Krise auf globaler Ebene gab der Dax seit Anfang August um über 7 % nach. Der Dax notiert somit schlechter als zum Jahresbeginn 2010. Dagegen sind die Preise für Gold in Euro um 27 % gestiegen.