Was ist die Gesundheit eines Reisenden wert? Diese Frage hatte sich die Deutsche Bahn zu stellen, als Anfang Juli bei Temperaturen von weit über 30 Grad die Klimaanlagen in etwa 50 ICEs ausfielen und Reisegäste in überheizten Temperaturen, teilweise ohne die Möglichkeit der Flüssigkeitsaufnahme, eingesperrt waren. Ein Zug wurde in Bielefeld gestoppt, weil dort Schüler kollabierten. Die Bahn hatte gemeldet, dass die Klimaanlagen in den ICEs der ersten und zweiten Generation ihre volle Leistung nur bei Außentemperaturen von bis zu 32 Grad erbringen.
Ende Juli hatte Bahnchef Rüdiger Grube gemeldet, dass 374.000 Euro Entschädigung an 5.700 Kunden gezahlt worden seien. Inzwischen haben sich diese Zahlen auf 2,7 Millionen Euro für 23.000 Fahrgäste erhöht. Da ein Sprecher mitteilte, dass noch nicht alle Fälle bearbeitet seien und auch noch damit zu rechnen sei, dass sich Kunden melden, die dies bisher noch nicht getan haben, werden die Zahlen vermutlich noch weiter steigen. Die Zahlungen werden in Bar und mit Reisegutscheinen geleistet.
Der Bahnvorstand hatte entschieden, dass Reisende, die aufgrund der aufgeheizten Züge mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen hatten, 500 Euro sowie Gutscheine in Höhe vom Anderthalbfachen des Reisepreises als Schmerzensgeld erhalten sollten. Kunden, die in den Zügen mitfuhren, aber keine gesundheitlichen Folgen zu tragen hatten, bekommen Gutscheine über die Hälfte ihres Ticketpreises.
Begrüßt wird die Entschädigung vom Fahrgastverband Pro Bahn. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann, dass dies vernünftig sei. Beschwerden von Kunden über verzögerte oder zu geringe Zahlungen lägen ihm nicht vor.