Bewertungen im Internet sind für viele Verbraucher eine gute Entscheidungshilfe, egal ob es sich dabei um den Kauf einer neuen Waschmaschine oder der Auswahl eines geeigneten Arztes handelt. Die AOK richtet ihren Fokus nun auf die Bewertungen der Mediziner durch Patienten, um anderen Patienten die Wahl zu erleichtern. Deshalb sind zunächst die Versicherten der AOK Plus ab 2011 dazu aufgefordert, ihren Ärzten eine Bewertung in Form von Schulnoten zu geben.
Beteiligt sind zunächst nicht alle Gebiete Deutschlands, sondern vorerst Thüringen, Sachsen, Berlin und Hamburg. Im Rahmen der geplanten Tests werden die Mitglieder von den Ortskrankenkassen angeschrieben, mit der Bitte, an der Befragung teilzunehmen. Der Fragebogen ist im Internet auszufüllen, wobei verschiedene Bereiche des Praxisalltags mit Schulnoten von 1 bis 6 benotet werden sollen. Neben der Behandlung durch den Arzt soll auch die Einrichtung der Praxis beurteilt werden, ob das Personal zuvorkommend und hilfsbereit ist, wie lange Patienten auf einen Termin warten müssen und wie lange die Wartezeiten in der Praxis sind.
Von dem Vorhaben der AOK sind nicht alle erfreut. So äußerten sich sächsische Ärzte bereits kritisch, denn sie befürchten überwiegend schlechte Beurteilungen durch unzufriedene Patienten, die hauptsächlich an der Befragung teilnehmen würden. Dagegen müssten Ärzte mit sehr guten Bewertungen mit einem kaum zu bewältigenden Patientenansturm rechnen. Christine Clauß, Sachsens Gesundheitsministerin (CDU) sieht das Gaze weniger skeptisch. Sie hebt die Vorzüge hervor, die darin bestünden, dass in Zusammenarbeit mit den Ärzten Missstände ausgeräumt werden können. Allerdings gibt sie zu bedenken, dass diese Bewertungen für jeden Mediziner eine freiwillige Maßnahme sein sollten.