Laut Auswertung des Statistischen Bundesamtes sind die Bruttolöhne seit Anfang 2000 bis Ende März diesen Jahres deutlich langsamer angestiegen als in anderen EU-Ländern. Die Erhöhungen der Löhne und Gehälter in der privaten Wirtschaft beliefen sich in Deutschland in diesem Zeitraum auf knapp 22 Prozent. Damit liegt Deutschland im Vergleich weit hinten. In den Euro-Ländern betrug der Anstieg der Bruttolöhne fast 30 Prozent, betrachtet man alle EU-Länder zusammen, ergibt sich sogar ein Durchschnitt von mehr als 35 Prozent.
Ähnlich niedrig sieht es beim Anstieg der Lohnnebenkosten, also bei den Altersvorsorgebeiträgen und den Sozialversicherungsbeiträgen, aus. Diese Kosten stiegen in Deutschland im Vergleichszeitraum nur um gut 9 Prozent. Im Gegensatz hierzu betrug der Anstieg in den Euroländern knapp 33 Prozent und in der gesamten EU mehr als 38 Prozent. In den Vergleich fließen allerdings nicht alle 27 EU-Staaten ein, sondern insgesamt 21.
Dass Deutschland bei den Lohnerhöhungen so weit hinten liegt, gefällt anderen Euroländern gar nicht. Von hier hagelt es Vorwürfe, dass Deutschland hierdurch einen Wettbewerbsvorteil hätte. Die geringen Löhne hätten natürlich auch zur Folge, dass der private Absatz stagniert oder gar abnimmt. Da die europäische Volkswirtschaft für einige EU-Länder die wichtigste Einnahmequelle darstellt, wird dieser rückläufige Absatz mit Sorge betrachtet.
Gewerkschaften fordern in Zeiten des Aufschwungs endlich deutliche Lohnerhöhungen und stoßen auf offene Ohren. So macht Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen sich für Lohnerhöhungen stark. Gegenüber dem
Hamburger Abendblatt ließ sie verlauten, dass der Aufschwung auch für Arbeitnehmer spürbar sein müsse.