Gesetzliche Krankenkassen: Regelmässige Zusatzbeitragserhöhung realistisch

  1. 14.09.2010 08:27
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Wie wird es mit den Gesetzlichen Krankenkassen weitergehen? Durch die Anhebung der Beitragssätze zum 1.1.2011 von 14,9 auf 15,5 Prozent soll das Milliardendefizit verringert werden. Der Bundesvorsitzende der AOK Herbert Reichelt hält diese Erhöhung trotz der verbesserten Konjunkturlage für unvermeidbar, da diese erst zeitverzögert bei den Krankenkassen ankäme. Reichelt hatte bereits Anfang 2010 ein Defizit von 11 Milliarden Euro im Gesundheitsfonds vorausgesagt.

Weiter nimmt Reichelt an, dass durch die Anhebung der Beitragssätze Leistungskürzungen 2011 vermieden werden können. Für 2012 sieht er jedoch weitere Kosten auf die Beitragszahler der Gesetzlichen Krankenkassen zukommen. Es sei auch für die kommenden Jahre mit Defiziten zu rechnen, die dann nur durch Zusatzbeiträge ausgeglichen werden könnten. Wie hoch diese ausfallen werden, sei jedoch noch nicht abzusehen.
Reichelt fordert von der Bundesregierung Strukturreformen, um mehr Verhandlungsfreiheiten gegenüber Ärzteverbänden, Arzneimittelherstellern und Krankenhäusern zu erhalten. Hier könnten durch Verhandlungen kostengünstigere Verträge abgeschlossen und so die Ausgaben gesenkt werden.

Trotz der schlechten finanziellen Lage der Gesetzlichen Krankenkassen plant Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) verschiedene Maßnahmen, die den Privaten Krankenversicherungen zu gute kommen. So soll der Wechsel von Gutverdienern in die PKV erleichtert werden, Zusatztarife der Gesetzlichen Kassen sollen weitestgehend eingeschränkt werden.

Für die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenkassen sollen keine weiteren Beitragserhöhungen folgen, um die Arbeitgeber nicht zu belasten. Statt dessen sollen über höhere Zusatzbeiträge allein die Versicherten die Kosten tragen. Bereits ab 2011 können die Krankenkassen ihre Zusatzbeiträge selbst bestimmen. Dies wird im Zuge der Gesundheitsreform festgelegt.

Die Kassen jedoch versuchen, die Einführung von Zusatzbeiträgen zu vermeiden, da dies nach der Einführung bei einigen Krankenkassen in 2010 zu einer Abwanderung der Mitglieder geführt hat. Einen Weg sehen die Krankenkassen daher in Fusionen, um finanzielle Engpässe besser auffangen zu können. In 2011 sind bereits vier weitere Zusammenschlüsse geplant. Der stellvertretende Vorsitzende der AOK Jürgen Graalmann schätzt, dass die Anzahl der Krankenkassen von derzeit 163 langfristig auf 50 schrumpfen wird.




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