Gesundheitsreform: Eine Milliarde Zugewinn für private Krankenkassen

  1. 16.09.2010 08:48
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Nach den Plänen der Gesundheitsreform geraten gesetzliche Krankenkassen immer mehr ins Hintertreffen, was letztendlich wieder die Versicherten ausbaden müssen. Der Trend der Gesundheitsreform geht dahin, dass Versicherte bei ihrer gesetzlichen Kasse nur noch eine Grundversorgung erhalten. Wahltarife wie Einzelzimmer, Chefarztbehandlung und einiges mehr sind demnächst nicht mehr im Paket der Gesetzlichen Krankenversicherung enthalten, sondern müssen bei einem privaten Versicherer zusätzlich versichert werden.

Aber nicht nur das, auch Angestellten mit einem entsprechend hohen Einkommen wird künftig der Wechsel in eine private Krankenversicherung leicht gemacht.

Liegt der monatliche Bruttoverdienst einmal über der 4.125 Euro-Marke, können Angestellte mit einer Frist von einem statt bisher drei Jahren zu einer privaten Krankenversicherung, wie wir berichteten, wechseln.

Die bisherige Beitragsbemessungsgrenze betrug 4.162,50 Euro. Durch die Herabsenkung kommen mehr Besserverdiener in den Genuss eines Wechsels. Dadurch verlieren gesetzliche Kassen eine Vielzahl gut verdienender Beitragszahler, das finanzielle Loch in den Kassen wird immer größer. Allein dieses Defizit wird rund 500 Millionen Euro ausmachen.

Prognosen gehen dahin, dass den Gesetzlichen im kommenden Jahr rund 11 Milliarden Euro fehlen werden, welche durch Zusatzbeiträge und Beitragserhöhungen aufgefüllt werden müssen. Durch die geplante Übervorteilung der Privaten wird sich dieses Defizit um eine weitere Milliarde erhöhen, was in 2010 wiederum Zusatzbeiträge für die Versicherten nach sich ziehen wird. Sozialverbände bezeichnen diese Vorgehensweise der schwarz-gelben Regierung als Kopfpauschale durch die Hintertür.

Der errechnete Zugewinn der Privaten von rund einer Milliarde Euro ergibt sich aus mehreren Faktoren der Gesundheitsreform. Zum Einen wird das Solidarprinzip gefährdet, da den Gesetzlichen durch den vereinfachten Wechsel von Angestellten in eine private Kasse gut zahlende Versicherte verloren gehen, was allein schon zusätzliche Einnahmen von 500 Millionen Euro ausmacht. Durch die Streichung der Wahltarife wie Auslandskrankenversicherung, Zahn-Zusatzversicherung, teilweise Naturheilverfahren und Chefarztbehandlung gehen weitere Beiträge verloren, die künftig die Privatversicherer einstreichen werden.

Zusätzlich sollen die privaten Krankenkassen auch noch von den Arzneimittel-Zwangsrabatten, die von der Gesetzlichen ausgehandelt werden, profitieren. Dieser Vorteil war bislang nur den gesetzlichen Kassen vorbehalten, was ja nur legitim war, da die Gesetzlichen auch die Verhandlungen hinsichtlich der Rabatte führen. Dass die Privaten an den Rabatten beteiligt werden, bedeutet einen weiteren Zugewinn von gut 250 Millionen Euro.

Gesundheitsminister Rösler (FDP) zieht hier mit den Privatversicherern an einem Strang. So argumentieren beide Seiten, dass eine Differenzierung zwischen Privatversicherern und gesetzlichen Krankenkassen stattfinden müsse. Gesetzliche Krankenkassen sollen künftig nicht mehr die Aufgaben der Privatversicherer übernehmen dürfen. Zusatzleistungen werden ab dem 01. Januar 2011 nur noch bei den Privaten angeboten, was sicherlich auch viele Versicherte zu einem Wechsel bewegen wird. Wer in der Gesetzlichen versichert bleibt, muss Zusatztarife bei einem Privatversicherer separat hinzubuchen. Dadurch würden den Privaten weitere 250 Millionen Euro zugespielt.

Gesetzliche Kassen haben im Zuge der Gesundheitsreform künftig noch mehr das Nachsehen, während die Privatwirtschaft der Krankenversicherer unterstützt wird. Versicherte in der gesetzlichen Kasse zahlen so oder so drauf: Einmal durch weitere Zusatzbeiträge, die das zusätzliche Defizit ausgleichen müssen sowie zusätzliche Beiträge bei einem privatern Versicherer, um in den Genuss von Zusatzleistungen zu kommen.





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