WSI Verteilungsbericht zeigt: Lohnanteil am Volkseinkommen sinkt erneut

  1. 13.12.2010 08:09
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Der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am Volkseinkommen in der ersten Jahreshälfte 2010 deutlich gestiegen ist, wohingegen der Anteil der Lohneinkommen gesunken ist.

Trend der letzten Jahre setzt sich fort

Der Trend, der sich in den letzten Jahren bereits abzeichnete, setzt sich somit weiter fort und wurde folglich nur 2009 infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise unterbrochen. Im Gegensatz zu nun wieder eindeutig einseitigen Verteilung wurden 2009 die Kapitaleinkommen bei insgesamt sinkendem Volkseinkommen zunächst noch stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden als die Lohneinkommen.

Starkes Gefälle zwischen Lohn- und Gewinnquoten

Im Vergleich mit dem Vorjahr belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das erste Halbjahr 2010 ein Plus bei den Lohneinkommen von 1,9 Prozentpunkten. Die Gewinn- und Kapitaleinkommen hingegen wiesen ein Plus von 19,5 Prozentpunkten auf - ein deutliches Gefälle.Im Vergleichszeitraum der ersten Jahreshälfte sank die Nettolohnquote von 40,9 % (2008) und 41,1 % (2009) auf 39,4 %. Die Nettogewinnquote indes verbesserte sich von 32,6 % (2009) auf 34 % In den Jahren nach 1960 und vor 1990 betrug die Quote weniger als 30 %, im Rekordjahr 2008 34,9 % und in den Jahren vor 1990 zum Teil mehr als 50 %. Die Lohnquote steht außerdem für den Beweis, dass die Kaufkraft in der Zeit Januar bis Juni 2010 abermals gesunken ist. Sie sank von 68 % (2009) auf 65,5 %.

Im Gegensatz dazu stieg die Bruttogewinnquote auf 34,5 % (+ 3 % gegenüber 2009). Auch wenn Urlaubs- und Weihnachtsgeld die Zahlen der zweiten Jahreshälfte beeinflussen, beeinflusst dies den Trend nicht maßgeblich. Dr. Claus Schäfer, Leiter des WSI und Autor des Verteilungsberichts, erkennt hierin ein Muster: "Die Gewinn- und Kapitaleinkommen, die überwiegend einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen, wachsen deutlich schneller als die Lohneinkommen."

Wirtschaftliche Gefahr durch Einkommensungleichheit und mangelnde Stabilität
Der WSI-Experte warnt indes vor einer Destabilisierung von Wirtschaft und Gesellschaft als Folge der zunehmenden Einkommensungleichheit. Die Bundesregierung bewirke mit ihrem Sparpaket und der geplanten Gesundheitsreform lediglich eine Fortsetzung der ungleichen Verteilung. Daraus resultieren nach seiner Einschätzung eine Schwächung der Binnennachfrage und des Wirtschaftswachstums sowie soziale Polarisierung durch Zunahme der Risiken bei der Außennachfrage. Schäfer sieht hierin "Hypotheken für die Zukunft", welche die Politik endlich beseitigen müsse, da eine nachhaltige Belebung des Privatkonsums ausschließlich durch günstige Rahmenbedingungen geschaffen werden könne.

Politik zum Handeln aufgefordert um Verschärfung der Situation zu verhindern

So befürchtet der WSI-Experte eine weitere Anspannung der Gesamtsituation durch diverse Beschlüsse der Bundesregierung. Sie alle trügen zur Verschärfung der Verteilungsprobleme bei. Allem voran die Zusatzbeiträge zur Gesundheitsfinanzierung, die Streichung von Elterngeld und Wohngeldzuschüssen bei Hartz-IV-Empfängern oder auch das Zögern der Durchsetzung von Branchen-Mindestlöhnen im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung. All dies belaste insbesondere die kleineren Einkommen über Gebühr. Der Forscher erkennt insbesondere im Mindestlohn das probateste Mittel sowohl die Niedriglohnbeschäftigten als auch die Sozialkassen spürbar zu entlasten. Daten der Bundesregierung zufolge umfassen die öffentlichen Ausgaben seit 2005 für die Aufstockung erwerbstätiger Niedrigverdiener und ihrer Familien auf Hartz-IV-Niveau ca. 50 Milliarden €.

Kritik: Quellen für öffentliche Einnahmen ungenutzt

Stattdessen müssten diese Beiträge und öffentlichen Einnahmen kontinuierlich wachsen, zumal Arbeitgeberbeiträge künftig eingefroren werden. Die Kritik von Schäfer formuliert, dass die zukünftigen öffentlichen Einnahmen aus den signifikanten Zusatzgewinnen der Atomkraftwerk-Betreiber durch die Laufzeitverlängerung, aus der geplanten Kernbrennstoffsteuer und aus der Bankenabgabe" im Vergleich mit den Belastungen für die Bürger "mehr als bescheiden" ausfielen.




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