Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen – so könnte man die laut gewordene Kritik um die Kompetenzen der Verbraucherzentralen zusammenfassen.
Gleicher Standard für alle
Die Verbraucherzentralen Deutschlands sind dafür bekannt, mit Kritik nicht gerade zurückhaltend zu sein. So haben sie in den vergangenen Jahren immer wieder angeprangert, dass Banken nicht vernünftig beraten, keine ausreichenden Beratungsprotokolle schreiben und überzogene Gebühren fordern. Nun wendet sich das Blatt und Kritik wird laut, dass die Verbraucherzentralen die hohen Standards, die sie von anderen fordern, selbst nicht einhalten.
IMWF: Nur wenige Beratungen gut
Bereits vor 2 Jahren hatte das IMWF (Institut für Management- und Wirtschaftsforschung Testkäufer in 5 verschiedene Verbraucherzentralen entsandt. Fazit des IMWF: "Nur wenige Verbraucherzentralen schaffen es, eine sehr gute und kompetente Beratung anzubieten, in der alle relevanten Daten aufgenommen, individuelle Berechnungen erstellt und hilfreiche Unterlagen ausgehändigt werden".
Volksbank schickte Testkäuferin
Die Verbraucherzentrale München wurde kürzlich von einer Testkäuferin aufgesucht. Die Dame war Angestellte einer bayerischen Volksbank und sollte für diese eine kostenpflichtige Anlageberatung in Anspruch nehmen. Für 90 Euro erhielt sie ein Beratungsgespräch von 90 Minuten, welches jedoch nicht zu ihrer Zufriedenheit ablief. Der Berater der Verbraucherzentrale hatte wichtige Aspekte in seiner Empfehlung nicht berücksichtigt. So fanden zum Beispiel der von der Bankangestellten bereits ausgefüllte Analysebogen bezüglich ihrer Vermögenslage und die angestrebten Anlageziele keinerlei Beachtung, auch wurde kein Beratungsprotokoll angefertigt.
Verbraucherzentralen wehren sich gegen Vorwürfe
Banken beklagen, bei den Verbraucherzentralen bestünde ein Interessenskonflikt, da sie auf der einen Seite beraten, andererseits aber auch die Beratungsqualität anderer beurteilen. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kontert und betont, man würde auf Empfehlungen bestimmter Produkte verzichten und grundsätzlich auf Rankings des eigenen Hauses oder der Stiftung Warentest zurückgreifen. Die Untersuchung des IMWF konnte dies nicht in allen Fällen bestätigen.