Wie die Leipziger Volkszeitung am Freitag berichtet, liegt das Einkommen jedes zweiten deutschen Vollzeit-Beschäftigten im Alter von 15 bis 24 Jahren im Niedriglohnbereich und somit unter 75% des sozialversicherungspflichtigen Bruttogehaltes. Das hat eine statistische Auswertung der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesregierung ergeben. Auszubildende wurden dabei noch nicht berücksichtigt. Klaus Ernst, Chef der Linkspartei, findet dazu deutliche Worte: "Die Arbeitsmarktreformen haben dazu geführt, dass Arbeit so billig geworden ist wie Dreck."
Maßnahmen gefordert
Auch die Meinung von Uwe Schummer, Bundesvorstandsmitglied der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft) und stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Arbeitnehmergruppe im Bundestag, ist eindeutig: "Die wachsende Niedriglohn-Perspektive für junge motivierte Menschen ist tödlich für den deutschen Arbeitsmarkt.Insofern sei "eine neue Willkommenskultur für einheimische junge Menschen durch die Arbeitgeber, statt ständig nach billigem Fachkräftezuzug aus dem Ausland zu rufen" dringend erforderlich.
Häufigster Niedriglohn in Mecklenburg-Vorpommern
Das Einkommen von 75% aller jugendlichen Arbeitnehmer Mecklenburg-Vorpommerns liegt im Niedriglohn-Sektor. Sieht man sich die Prozentzahlen aller Niedriglohn beziehenden erwerbstätigen Personen in Ostdeutschland an, liegt Mecklenburg-Vorpommern mit 44,5 Prozent ebenfalls an der Spitze. Danach folgen Sachsen mit 43,9 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 41,6 Prozent und Brandenburg mit 41,2 Prozent.
In Westdeutschland sieht es dagegen deutlich besser aus. Den höchsten Prozentsatz erreicht Schleswig-Holstein (23,7 Prozent), auf Platz 2 rangiert Niedersachsen (22,1 Prozent), auf Platz 3 Rheinland-Pfalz (20,3 Prozent).
Mindestlohn und höherer Sozialversicherungsbeitrag für Arbeitgeber
Da seit 2000 der Geringverdienenden-Anteil im gesamten Bundesgebiet permanent angestiegen ist, äußert sich Klaus Ernst, Chef der Linkspartei, gegenüber der Leipziger Volkszeitung so: „Wer einen sicheren Job hat, wird auch wieder mutiger an der Lohnfront. Wir schlagen vor, dass ein gesetzlicher Anreiz zur Schaffung sicherer Jobs eingeführt wird. "Deshalb "sollten Arbeitgeber künftig für Leiharbeitsjobs, Niedriglohnjobs, befristete Jobs oder Minijobs den doppelten Arbeitgeberbeitrag zur Sozialversicherung zahlen." Ernst hofft, dass somit die Ausschreibung von "Angstjobs" für Firmen weniger attraktiv wird.
"Einen Wettbewerb mit immer niedrigeren Löhnen zwischen den Unternehmen" befürchtet Uwe Schummer. Die Lohnuntergrenze, die es schon in der Zeitarbeitsbranche gibt, müsse als allgemeine Lohnuntergrenze festgeschrieben werden, so Schummer weiter. Der Zeitarbeits-Mindeststundenlohn liegt in Westdeutschland bei 7,79 Euro und in Ostdeutschland bei 6,89 Euro. Seiner Meinung nach ist ein Vorstoß "zum ersten branchenübergreifenden Mindestlohn der richtige Weg, um Lohndrückerei und prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu bekämpfen."
Am nächsten Wochenende soll auf der Bundestagung der Unionsarbeitnehmer ein entsprechender Antrag beschlossen werden.