Die Gesundheitsbehörden in Deutschland geben vorerst Entwarnung und grünes Licht für den Verzehr von Sprossen und Keimlingen. Dies geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hervor. Einzig vom rohen Verzehr von Sprossen aus ägyptischem Bockshornkleesamen wird abgeraten, da sich hier der besonders aggressive EHEC-Erreger angesiedelt haben soll.
Zwei Wochen ohne Neuinfektionen
Seit dem 07. Juli seien keine weiteren Personen mit EHEC-Symptomen mehr in Deutschland registriert worden, so das RKI. Die zweimonatige Epidemie besonders im Norden des Landes wird damit von den Behörden als überstanden angesehen. Seit Mai diesen Jahres litten mehr als 4.300 Menschen an einer Infektion mit dem neuen, besonders gefährlichen EHEC-Erreger H104:O4 und der Folgeerkrankung des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS). Bei 49 Menschen hatte die Erkrankung einen tödlichen Ausgang.
Künftige vereinzelte Infektionen werden von den Behörden jedoch nicht völlig ausgeschlossen, da der Erreger nicht vollkommen vernichtet wurde. Er lauert in unserer Umgebung und kann von infizierten Personen unbemerkt weitergegeben werden. Gefährlich wäre das erneute Eindringen des Erregers in die Lebensmittelerzeugung und –verarbeitung, von wo sich wieder eine ähnliche Epidemie entwickeln könnte.
Erreger springt nicht auf andere Sprossen-Sorten über
Einziger Auslöser der Epidemie waren nach letzten Erkenntnissen Bockshornkleesamen aus Ägypten, die zwischen 2009 und 2011 in die EU importiert wurden. Diese werden ausnahmslos vom Markt genommen und vernichtet. Positiv ist die Erkenntnis der Behörden, dass der Erreger bei Importeuren, Zuchtbetrieben oder Zwischenhändlern nicht auf andere Sprossen-Sorten übergegangen ist. Erkrankungen durch den Verzehr anderer Sprossen-Sorten sind nicht bekannt geworden. Das heißt, alle anderen Sprossen können laut BfR, RKI und BVL wieder verzehrt werden.
Kontrolle von Risikoprodukten muss verschärft werden
Gesetzliche Verordnungen sollen eine bessere und flächendeckende Überprüfung von Risikoprodukten, wie roh verzehrte Sprossen, sicherstellen. Auch und besonders beim Import von Lebensmitteln müssen stärkere Kontrollen wirksam werden, da die Quelle von gefährlichen Erregern nicht immer nur im Inland liegt.
Ein bitterer Nachgeschmack bleibt beim Verbraucher dennoch bestehen. Kritik am Krisenmanagement wird laut, da nach den ersten Infektionsopfern verwirrende Aussagen zu den Erreger-Quellen wie Tomaten, Gurken und Salat gemacht wurden. Schließlich kam man auf die besagten Sprossen. Die Einengung der Erreger-Quelle muss künftig schneller funktionieren, um die starke Ausbreitung einer Epidemie zu verhindern.