Schön sieht er aus – der große Eisbecher an einem heißen Sommertag. Aber was nicht zu erkennen ist, sind zahlreiche Keime, die sich auf den appetitlichen Kugeln tummeln. Im Jahr 2010 führte das staatliche Landeslabor Gießen eine entsprechende Studie durch und untersuchte 557 Proben von freiverkäuflichem Speiseeis. Auf 64 Proben (12,6 Prozent) wurden zu viele Keime festgestellt.
Eisportionierer und Schlagsahneapparate ungenügend gereinigt
Mangelnde Hygiene sei der Hauptgrund für die hohe Keimbelastung, fasste das Labor seine Ergebnisse in einer vorab veröffentlichten Pressemitteilung zusammen, die am 30. August im Hessischen Landtag vorgestellt werden.
Sowohl in den untersuchten Eisdielen als auch in Gastronomiebetrieben, Cafés, Konditoreien und Bäckereien werde der Eisportionierer häufig nur in stehendem Wasser abgespült, und der Schlagsahneapparat nur mangelhaft gesäubert. Fehlende oder ungenügende Wartung der Geräte oder eine nicht ausreichende Kühlung der flüssigen Sahne tun ihr übriges. Bei Schlagsahne lag die Zahl der stark keimbelasteten Proben bei 105 von 148 oder 71 %. Prof. Hubertus Brunn, Direktor des Landeslabors in Gießen, kritisiert hier vor allem die "unzureichende Reinigung und Desinfektion der Geräte".
Gesundheit nicht unmittelbar in Gefahr
Prof. Brunn sieht die Gesundheit der Verbraucher dennoch nicht unmittelbar gefährdet. Die entdeckten Keime wie Enterobakterien sind lediglich ein Indikator für schlechte Hygiene. Gefährliche Salmonellen oder Listerien wurden nicht gefunden. Dieses Ergebnis darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass notwendige Hygieneregeln nicht immer eingehalten worden seien, warnt die Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks.
Infektionskrankheiten durch Salmonellen und Listerien
Lebensmittelvergiftungen, die durch Salmonellen und Listerien hervorgerufen werden, gehen einher mit Durchfall und starken Bauchschmerzen. Die hochansteckenden Infektionskrankheiten können auch zu Entzündungen des Gehirns und Lähmungen führen. Der in der Erde lebende Erreger Listeria monocytogenes ist vor allem auf Gemüse und Pilzen zu finden. Aber auch industriell hergestellte Lebensmittel wie Käse, Salami oder Salate können manchmal befallen sein.
Freiverkäufliches Eis und Schlagsahne in Deutschland sind bisher allerdings immer frei von solchen gefährlichen Erregern gewesen.