Als allgemeine Beruhigung der Investoren und Marktteilnehmer bezeichnen die Volkswirte der Postbank die gemeinschaftlichen Staatsanleihen der Eurozone (sogenannte "Eurobonds") in ihrer kürzlich veröffentlichten Studie. Zur Verbesserung der Schuldenkrise seien sie kaum geeignet. Im Gegenteil: Das zunehmende Ungleichgewicht in der Eurozone gefährde die Währungsunion.
Kaum Anreiz zu sparen
Die größte Gefahr, die die Eurobonds auch bei ganz unterschiedlicher Ausgestaltung mit sich bringen, ist der mangelnde Anreiz der Staaten zu sparen. Hohe Staatsverschuldung würde vor allem für kleine und mittelgroße Staaten nicht automatisch höhere Finanzierungskosten mit sich bringen, denn sie haben nur einen geringen Anteil an der Gesamtverschuldung des Euroraums. Der disziplinierende Charakter des Marktes greift einfach nicht mehr, da die Eurobonds wie eine Versicherung wirken. So eine Versicherung verleitet zu höheren Risiken bzw. zu geringerer Ausgabendisziplin.
Staatsverschuldung muss begrenzt werden
Die Volkswirtschaftler der Postbank plädieren für eine strenge Begrenzung der Staatsverschuldung als Lösung aus der Krise. Da einfache Mehrheitsbeschlüsse der Mitgliedsstaaten bei Sanktionen bisher einfach nicht den geeigneten Effekt hatten, soll der bisherigen Stabilitäts- und Wachstumspakt (Maastrichter Vertrag) dahingehend reformiert werden, dass die Strafen automatisch in Kraft treten, wenn sie nicht durch eine Mehrheit der Mitgliedstaaten abgelehnt werden. Formell eine Verbesserung. Dennoch könnte sich die Politik querstellen und mögliche Sanktionen bei Überschreitung der Defizitobergrenzen boykottieren.
Angleichung von mehr Politikbereichen notwendig
Bisher ist im Euro-Raum nur ein Politikbereich zwischen den Staaten zentral harmonisiert: die Währungspolitik. Das reicht auf Dauer jedoch nicht aus, um die großen wirtschaftlichen Ungleichgewichte auszugleichen. Erstrebenswert wäre eine Harmonisierung der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, worauf Deutschland und Frankreich mit ihrem Euro Plus-Pakt bereits abzielen. Die nationale Souveränität muss gewisse Einbußen hinnehmen, um die Harmonisierung effektiv zu gestalten. Sanktionen müssen automatisch greifen.
Augenscheinlich werden die noch zu großen wirtschaftlichen Unterschiede der Euro-Staaten bei den Lohnstückkosten. In den letzten 10 Jahren zeigen diese in Deutschland keine Veränderung, in Spanien liegen sie dagegen im gleichen Zeitraum um 20 Prozent höher, in Italien um rund 25 Prozent und in Griechenland um ganze 30 Prozent.