Gefährlicher Goldrausch
In Zeiten unsicherer Währungen und drohender Staatsinsolvenzen ist das Streben nach Sicherheit mehr als verständlich. Während die Finanzkrise dazu geführt hat, dass Privatanleger den Aktienmarkt tendenziell eher meiden, ist in Bezug auf Gold von dieser Vorsicht am Markt nichts zu spüren.
So war trotz massiver Werteinbrüche des Edelmetalls in Form eines Preissturzes um knapp 300 Dollar in der vergangenen Woche das Gegenteil von Zurückhaltung zu beobachten: Bei Spitzenpreisen von bis zu 1.600 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) deckten sich Anleger massenhaft neu ein.
Nach Bild.de Angaben berichten Goldhändler wie das Münchner Unternehmen Pro Aurum von Lieferengpässen vergleichbar denen zu Zeiten der Lehman-Bank-Pleite 2008 und sogar Goldbarren-Produzenten wie Heraeus legen Extraschichten ein.
Relationen nicht aus den Augen verlieren
Trotz der negativen Entwicklung des Goldpreises in der letzten Woche, hat sich auf die letzten 5 Jahre gerechnet der Wert des Edelmetalls mehr als verdreifacht. Während Gold erstmalig im Frühjahr 2008 die 1.000-Dollar-Marke knackte, wurde vor etwa 3 Wochen sogar die 1.900-Dollar-Marke überschritten.
Wie Roland Aulitzky, Edelmetallexperte von "Finanztest", jedoch aus einer Gegenüberstellung der Renditen in einem Zeitraum von 30 Jahren weiß, steht beispielsweise dem Gewinn aus dem deutschen Rentenmarkt von durchschnittlich 6,8 % p. a. bei der Anlage von Gold ein Gewinn von lediglich 3 - 4 % p. a. gegenüber.
Langfristanalyse beweist: Höchststände sind nur von kurzer Dauer
Berliner Verbraucherschützer haben mittels Langfristanalyse bewiesen, dass der Goldpreis zwar in Krisenzeiten ansteigt, diese Höchststände jedoch nur von kurzer Dauer sind. So gab es 1980 den letzten großen Gold-Rausch, als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte. Bis aber der seinerzeitige Einstandspreis wieder erreicht wurde, vergingen mehr als 25 Jahre. Erst anlässlich der Finanzkrise im Jahr 2008 wurden die Werte in ähnliche Sphären getrieben.
Warnungen der Börsenexperten vor einer Spekulationsblase werden immer lauter
Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), appelliert indes an die Vernunft der Aktionäre und mahnt zur Vorsicht. Durch die Unberechenbarkeit des Goldpreises und der Abhängigkeit entsprechender politischer Entscheidungen hält er Investitionen in Gold aktuell tatsächlich für risikobehafteter als den Kauf solider Aktien.
Niklas Breckling, Börsenhändler der Düsseldorfer Wertpapierhandelsbank Schnigge, ist fest davon überzeugt, dass sich ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt rächen kann. Die Folgen könnten in ihrem Ausmaß an die des Neuen Marktes vor 11 Jahren erinnern. Die Gefahr liege seiner Meinung darin, dass der Goldmarkt inzwischen von Spekulanten dominiert werde. Sofern die Krisenängste zurückgingen, seien Kursverluste unvermeidbar.
Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank, geht angesichts der Fundamentaldaten davon aus, dass der Goldpreis in Kürze wieder anziehen wird. Seiner Einschätzung nach könne die Euro-Schuldenkrise so schnell nicht gelöst werden.
Annabel Oelmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, weiß das Anleger in Edelmetalle auf Zins- und Dividendenerträge sowie Mieteinnahmen verzichten, die aus anderen Aktien und Geldanlagen erwachsen können. Die Tatsache, dass Gold aller Voraussicht nach nie vollständigen Wertverlust erleiden wird, resultiere allerdings in eine tückische Sicherheit.
Schließlich könne allein durch die Währungsumrechnung US-Dollar in Euro europäischen Anlegern trotz steigender Goldpreise Verluste bescheren. Ihre Empfehlung lautet daher dahin, dass man jetzt lieber sein Altgold zu Geld machen sollte, anstatt zu überteuerten Preisen in Gold zu investieren.