Eine Verbesserung der medizinischen Versorgung auf dem Land wird durch das Versorgungsstrukturgesetz wohl kaum zustande kommen, kritisiert die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) angesichts der diesbezüglichen Anhörung. Neue und mehr Kosten befürchtet der vzbv-Vorstand Gerd Billen mehr als Verbesserungen für die Patienten und fordert massive Nachbesserungen des Gesetzes. Nur so könne eine sektorübergreifende Planung der Versorgungsangebote über ambulante und stationäre Behandlungsmöglichkeiten hinweg gesichert werden.
Medizinische Innovationen schneller zum Patienten?
Die Bundesregierung strebt mit dem neuen Gesetz einen schnelleren Einsatz von medizinischen Innovationen an. Nur zu welchem Preis? Die gesetzliche Krankenversicherung soll größtenteils die Finanzierung von Studien für Medizinprodukte übernehmen, was bisher zu Lasten der Hersteller selbst ging. Neue Erprobungsregelungen in dem Gesetz gestatten das Angebot von bisher wenig erforschten Behandlungsformen auch im ambulanten Bereich im Rahmen breitangelegter Studien. Aber macht das auf Dauer Sinn?
Stimmrechte und spezialärztliche Versorgung
Im Gemeinsamen Bundesausschuss sollen die Stimmrechte neu verteilt werden. Krankenhäuser und Ärzte müssen demnach auch ihr Einverständnis erklären, wenn wenig effiziente Leistungen aus der Erstattungspflicht der Krankenkassen gestrichen werden. Aber genau sie haben wirtschaftlich den größten Nutzen von den Leistungen und daher kaum Interesse an der Streichung.
Die neu strukturierte spezialärztliche Versorgung sieht Billen ebenfalls als zu kostenintensive Maßnahme an. Die sich ergebenden Qualitätsrisiken seien nicht mit einer ungebremsten Mengenausweitung der Krankenhäuser vereinbar.
Der vzbv erachtet die Befassung mit dem Thema Überversorgung als effektiver, um eine kosten- und leistungsgerechte Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Billen erklärt hierzu, dass Unterversorgung nur überwunden werden könne, wenn die Überversorgung in Angriff genommen wird.