Ärzte und Politiker im gemeinsamen Kampf gegen Diabetes

  1. Steuer & Recht
  2. Tarifeverzeichnis



Die Zahl Diabetes-Erkrankungen nimmt dramatisch zu. Dies und die Folgeerkrankungen bedrohen das gesamte Gesundheitssystem. Höchste Zeit für eine nationale Kampagne.

Derzeit leiden ca. 7,5 Millionen Menschen an Diabetes, Tendenz steigend. Kommen täglich weiterhin etwa 700 hinzu, werden es bis zum Jahr 2030 ganze 14 Millionen sein. Schon Diabetes belastet Betroffene und Gesundheitssystem. Hinzu kommen jedoch Folgeerkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Erblindung, Fußamputationen, Nierenversagen, etc.

Auftakt der Kampagne "Patient Journey" in Berlin
Angesichts der Brisanz des Themas warnten Ärzte und Politiker gar vor einer Pleite des Gesundheitssystems. Das gesamte Ausmaß von Erkrankungen und Komplikationen lasse sich einzig durch Prävention und konsequente Therapie in den Griff bekommen. Zusätzlich gelte es, die Ausbildung der künftig erforderlichen Anzahl Diabetologen sicherzustellen. Die Kampagne "Patient Journey" wurde von der Berliner Charité in Kooperation mit dem Pharmaunternehmen Lilly initiiert.

Gemeinsames Ziel: Ein nationaler Aktionsplan für Bewegung und gesunde Ernährung
Da die Hauptrisikofaktoren Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung mit Übergewicht sind, sei es an der Zeit für die Erarbeitung eines Nationalen Konzeptes. Dazu müssten "Mitspieler in Bund und Ländern", Industrie, Betriebe sowie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kooperieren.

Neben einem Aktionsplan für Bewegung und gesunde Ernährung wurden konkret das Verkaufsverbot für süße Limonaden an Schulen, Werbeverbote, höhere Steuern und eine deutlichere Kennzeichnung der Lebensmittel gefordert. Verstärkte Aufklärungskampagnen über die Risiken und Möglichkeiten der Prävention kommen hinzu.

Finnisches Vorbild
Vorbild für ein derartiges Vorgehen ist das Erfolgsmodell in Finnland. Dort entwickelten Politik und Industrie ein Konzept zur Senkung des Salzgehaltes in Lebensmitteln. Gemeinsames Ziel war die Minimierung der Anzahl neu auftretender Schlaganfälle und Hypertonie. Über einen Zeitraum von 10 Jahren rechtfertigte der Erfolg die Initiative.

Diabetes-Experten von der Politik enttäuscht
Professor Thomas Danne, Pädiater und Diabetologe aus Hannover sowie Vorstand von diabetesDE ist bisher "gnadenlos enttäuscht von der Politik". Während "Besserverdienende" meist um die Vorbeugung von Adipositas und Diabetes wüssten, seien die anderen dazu nicht in der Lage. Um den Verzehr zu reduzieren und die Menschen vor den Folgen ungesunder Ernährung zu bewahren, favorisiert er eine Besteuerung besonders zuckerhaltiger Lebensmittel.

Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik von Bündnis 90/Die Grünen, kritisierte den Mangel an Ansätzen in der aktuellen Ernährungspolitik der Bundesregierung . Vieles sei von CDU, FDP und Industrie verhindert worden. Sie fordert die Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln, damit Verbraucher den Zucker-, Fett-, Salz- und Kaloriengehalt der Lebensmittel eindeutig ablesen können. "Die heute verbindliche GDA-Kennzeichnung könnte auch auf finnisch" aufgedruckt sein, so Maisch. Ihrer Einschätzung nach verstehe die ohnehin niemand. "Es gibt viele Ansätze, die nichts kosten, wir sind aber zu wenig ambitioniert".
Mehr zum Thema:

 



Das könnte Sie auch intressieren: