Millionen erwerbstätiger Frauen von Altersarmut bedroht

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Einer Kalkulation des Bundesarbeitsministeriums zufolge sind insbesondere Frauen, deren einzige Erwerbstätigkeit ein Minijob ist, im Alter von Armut bedroht.

Bürokauffrau
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Der "Süddeutschen Zeitung" liegt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Partei Die Linke vor. Daraus geht hervor, dass Millionen erwerbstätiger Frauen von Altersarmut bedroht sind, unter ihnen insbesondere Minijobberinnen.

Minijobs - ein Risiko für die Altersvorsorge
In Deutschland arbeiten derzeit etwa 7,4 Millionen Menschen auf 400-€-Basis, darunter knapp 4,65 Millionen Frauen (Stand 2011). Ungefähr zwei Drittel dieser Frauen arbeiten ausschließlich in diesem Minijob. Da hier erst seit 1999 im Regelfall nur der Arbeitgeber geringe Steuern und Sozialabgaben zahlt, wird ihre Rente voraussichtlich weniger als 200 € betragen.

Alarmierende Berechnung des Bundesarbeitsministeriums
Der Kalkulation des Bundesarbeitsministeriums zufolge erwirbt ein Minijobber in einem Jahr eine Monatsrente von 3,11 €. Auf Basis heutiger Werte ergibt dies nach 45 Versicherungsjahren einen Rentenanspruch in Höhe von 139,95 €. Die Regierungskoalition will daher künftig automatisch den Rentenbeitrag des Arbeitgebers für Minijobber aufstocken - es sei denn man verzichtet explizit.

Stockt der Minijobber den pauschalen Rentenbeitrag des Arbeitgebers (15 %) nämlich auf die derzeit 19,6 % auf, ergibt das nach 45 Jahren einen Anspruch auf 182,70 € Altersgeld, was für ein Jahr über 4 € entspricht. Im Jahr 2010 stockten allerdings lediglich 6,9 % der Minijobberinnen auf, auch wenn sie damit gleichzeitig bei Erwerbsminderung geschützt wären.

Arbeitsministerin will mit Zuschussrente entgegenwirken
Ursula von der Leyen, Arbeitsministerin der CDU, plant ab 2013 eine Zuschussrente für Geringverdiener. Sofern Minijobber aufstocken, ausreichend Versicherungsjahre vorweisen und ab 2014 zusätzlich privat oder betrieblich vorsorgen, profitieren auch sie: Es winkt eine Verdopplung der Rentenansprüche auf ca. 365 €.

Yvonne Ploetz, frauenpolitische Sprecherin der Linken, scheut indes eine Entwarnung. Fehlen nämlich Zusatzeinkünfte, wären die Minijobber im Alter dennoch abhängig von den durchschnittlich 688 € staatlicher Grundsicherung.

Bundesregierung lehnt DGB-Forderung nach Reform ab
Die Minijobs seien nach wie vor keine Brücke zu einem regulären Vollzeitjob. Daher fordert der DGB eine Reform. Im "Ersten Gleichstellungsbericht" der Bundesregierung befürwortete eine Sachverständigen-Kommission denn auch die Abschaffung der Sonderstellung der Minijobs. Statt dessen soll die Verdienstgrenze sogar von 400 auf 450 € angehoben werden.

Die Arbeitsministerin warnte allerdings vor einer Überbewertung der Zahlen und äußerten, dass "geringe Renten kein Indiz für geringe Gesamteinkommen im Alter" seien. Untermauernd trugen sie vor, dass die Altersrente von Frauen im Durchschnitt 535 € betrage. Durch zusätzliche Einkünfte liege das Nettogesamteinkommen alleinstehender Frauen im Alter bei 1.188 €. Ehepaaren im Ruhestand stünden 2.248 € zur Verfügung.
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