Studie: Negativ-Rekord bei privater Altersversorge

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Zehnte Studie "Altersversorge in Deutschland" durch Postbank ergibt schwindende Bereitschaft zur Absicherung der Berufstätigen fürs Alter, monatlichen Ausgaben auf Tiefstand, Inflation wird unterschätzt

Altersarmut
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Nach Ergebnissen zur zehnten Studie "Altersabsicherung in Deutschland" kommt der Initiator Postbank zu desatrösen Ergebnissen, was die Investitionsbereitschaft der Berufstätigen in ihre Altersabsicherung angeht; seit Beginn der Studie in 2003 ist dies das schlechteste Ergebnis.

Investitionsbereitschaft sinkt rapide
Während 2003 nur 30 Prozent der Erweiterung ihrer Altersabsicherung negativ entgegenstand, wuchs die Zahl 2012 auf 42 Prozent an. Auch die Investitionen in eine private Vorsorge sind rückläufig, während 2005 noch durchschnittlich 205 Euro monatlich aufgebracht wurden, sank dieser Betrag jetzt um fast 10 Prozent auf 185 Euro.

Alarmierende Entwicklung

Trotz der Aufklärung über private Absicherung fürs Alter hält aktuell jeder vierte junge Berufstätige im Alter von 16 bis 29 Jahren seine heutige Altersvorsorge bereits für ausreichend, 2007 glaubte nur jeder Sechste daran. Dies bedeutet eine Zunahme um fast 60 Prozent.

Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge sinkt kontinuierlich

Dr. Michael Meyer, Retailvorstand der Postbank hält diesen Zustand für bedrohlich und warnt, dass es sich um einen langfristigen Trend handeln könnte. Zwei Gründe können für die Entwicklung geltend gemacht werden. Meyer macht die Eurokrise verantwortlich, 52 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland sorgt sich aufgrund ihr und der Staatsverschuldung. Dementsprechend gering ist die Motivation in der aktuellen Situation, neue und längerfristige Vorsorgeverträge abzuschließen. Als zweiter Faktor für die zögerliche Investitionsbereitschaft wird die starke Konjuktur geannte, die stabile Beschäftigungsquote wiegt offenbar viele Menschen in Sicherheit. Meyer gibt an, dass 44 Prozent der berufstätigen Teilnehmer der Studie angegeben haben, ihre derzeitigen Aufwendungen im Bereich Vorsorge als ausreichend zu erachten. Dies ist die höchste Quote seit Beginn der Studie. Während vor zwei Jahren noch 22 Prozent der Berufstätigen gewillt war, sich für eine sichere Altersversorge einzuschränken, sank der Anteil in diesem Jahr auf 14 Prozent!

Inflation wird unterschätzt
Für die Hälfte der Teilnehmer der diesjährigen Studie spielt die Inflation bei der Planung der Altersabsicherung keine Rolle, bei den jungen Berufstätigen unter 30 Jahren sind es noch 44 Prozent. Laut Meyer ist die Vernachlässigung des Inflationsfaktors grob fahrlässig und gefährlich. Er warnt, dass seit der Einführung 2002 die Kaufkraft des Euro auf ein wenig mehr als 80 Cent gefallen sei.

Vermietete Immobilien gelten als rentierlichste Vorsorgeform
Deutschlands Berufstätige favorisieren Immobilien als Altersvorsorge. Ein Bau oder Kauf von Wohneigentum ist bei fast einem Drittel der Berufstätigen (Anteilserhöhung seit 2003 damit um gut 25 Prozent) die bevorzugte Anlageform, wenn es um Investionserweiterungen in der Altersabsicherung geht. Besonders gefragt sind Renditeobjekte zur Vermietung,14 Prozent der Arbeitnehmer geben an, Mietimmobilien zur Sicherung ihrer Altersabsicherung einzusetzen - damit verdoppelt sich diese Form der Altersabsicherung gegenüber 2011.

Erschaften fest einkaluliert bei Altersabsicherung
Für die "Erbengeneration" spielt diese Form des Einkommens eine wichtige Rolle, mehr als 25 Prozent der Erwerbstätigen kalkulieren bei der Rentenplanung bereits erhaltene oder anstehende Erbeschaften ein. Nach einer im Mai 2012 veröffentlichten Studie "Erben und Vererben" der Postbank haben rund ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer bereits einmal geerbt und ein weiteres Viertel kann dies künftig erwarten. Dementsprechend hoch wird die Erbschaft inzwischen als "ideale Form der Alterssicherung" gewichtet - von 19 Prozent (2003) ergab sich eine Steigerung auf inzwischen 25 Prozent.

Sinkende Popularität der Riester-Rente
Bei der nach dem ehemaligen Minister Walter Riester benannten Absicherungsform verläuft der Trend gegenteilig. Aktuell halten nur noch 24 Prozent der Deutschen die Riester-Rente für eine "ideale Form der Alterssicherung", seit 2007 sank die Quote um ein Viertel.

Mehrheit der Deutschen für Einführung einer betrieblichen Altersabsicherung
Während Ideen zur gesetzlichen Pflicht der privaten Altersversorge, wie zum Beispiel der Abschluss einer Riester-Rente bei 48 Prozent der Deutschen auf Ablehnung stößt (24 Prozent der Reaktionen waren positiv, der Rest unentschlossen), befürwortet die Majorität eine pflichtmäßig betriebliche Altersverorge (bAV). Die klare Mehrheit von 56 Prozent spricht sich in diesem Sinne aus (Ablehnung 19 Prozent, der Rest unentschieden). Meier ist der Ansicht, dass Arbeitgeber nicht nur nach Anfrage des Arbeitnehmers ihrer Pflicht eine betriebliche Altersabsicherung nachkommen sollen. Er fordert eine Informationspflicht der Arbeitgeber über alle Formen der Absicherung für die Berufsanfänger. Diese müssen sich dann im Gegenzug zu einem Abschluß einer Form der bAV entscheiden. Meyer sieht beachtliches Potenzial in der bAV, um die Vorsorgesituation in Deutschland nachhaltig zu stärken.
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