Deutsche Löhne erstmals seit Jahrtausendwende um drei Prozent gestiegen

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Im vergangenen Jahr stiegen die Löhne in Deutschland erstmals seit der Jahrtausendwende um drei Prozent, in der Eurozone und EU durchschnittlich um 2,7 Prozent.

Lohnabrechnung
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Nach einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung stiegen die Arbeitskosten für Deutschlands Wirtschaft erstmals seit der Jahrtausendwende stärker als im europäischen Durchschnitt. Mit dem Anstieg um 3 Prozent (Eurozone und EU jeweils durchschnittlich 2,7 Prozent) beendete Deutschland in 2011 seine Karriere als Musterland für nur mäßig zulegende Löhne. Auch im ersten Halbjahr 2012 zogen die Arbeitskosten mit einem Plus von 2,2 Prozent dem EU-Schnitt davon.

Platz 7 für Deutschland
Nach der siebten Auswertung der Untersuchung der Daten des deutschen und eruopäischen Statistikamtes belegt Deutschland bei den Arbeitskosten nach wie vor den siebten Platz innerhalb der 27 EU-Staaten. Die durchschnittlichen Kosten für eine Stunde (das IMK zählt hier vor allem den Bruttolohn und die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen), beliefen sich 2011 in der Privatwirtschaft auf 30,10 Euro. Nur in den Benelux-Ländern sowie in Frankreich, Dänemark und Schweden entstehen dem Arbeitgeber höhere Kosten. Der EU-Durchschnitt beläuft sich auf 23,10 Euro. Arbeitgeberfreundlich ist das Schlusslicht Bulgarien mit 3,50 Euro.

Dienstleistungen günstiger als Industrie
Eine Besonderheit Deutschlands ist die Kalkulation der Kosten für Dienstleistungen, die mit 27,50 Euro je Stunde um fast 20 Prozent niedriger als in der Industrie (34,30 Euro) liegen. Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des IMK, begründet dies mit den weit verbreiteten Niedriglöhnen im Service-Sektor. Allerdings seien in keinem anderen Land Europas die Unterschiede so groß. Er kritisiert, dass Tariflöhne, wie sie in der Industrie in der Regel üblich seien, hier ein Fremdwort seien. Daher sprach sich der Ökonom für einen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn aus.

IMK sieht Stabilität der Eurozone belastet
Die Jahre der deutschen Lohnzurückhaltung in Deutschland beurteilt der IMK-Direktor skeptisch. Die Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sieht er positiv, doch auf der anderen Seite erkennt er eine Belastung der Stabilität in der Eurozone.

Zahlungsunfähigkeit der Exportpartner droht
Die Argumentation Horns lautet, dass Deutschland seit Jahren mehr exportiere als es importiere. Da diese Exportüberschüsse auf Schulden der anderen Länder beruhten, steige steige die Gefahr, einer eintretenden Zahlungsunfähigkeit der ausländischen Handelspartner. Deren Verbindlichkeiten fallen aber wegen der Rettungspakete für Schuldnerstaaten teilweise auf Deutschland zurück. Horn sieht die Gerfahr eines Worst-Case-Szenarios durch die Zerinnung des Wohlstands auf Grund des Haftungsrisikos. Seiner Ansicht nach sind beide Seiten in die Pflicht zu nehmen: Die Arbeits- und die von der Produktivität abhängigen Lohnstückkosten sollen seiner Ansicht nach schneller wachsen als in den Krisenländern während die Schuldnerstaaten gleichzeitig wettbewerbsfähiger werden müssten. Nur so sei die die Währungsunion wieder in eine Balance zu bringen.
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