Kürzung von Beteiligung an Bewertungsreserven bei Kapitallebensversicherungen und Privaten Rentenversicherungen geringer als erwartet

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Die geplante Kürzung der Beteiligung an Bewertungsreserven soll bei Kapitallebensversicherungen und Privaten Rentenversicherungen geringer ausfallen.

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Ab 21. Dezember 2012 werden die Beteiligungen an den Bewertungsreserven von Lebensversicherungen gekürzt, allerdings soll die Kürzung für Kapitallebensversicherungen und Private Rentenversicherungen durch eine Deckelung geringer ausfallen.

Die Beteiligungen an den Bewertungsreserven von Lebensversicherungen werden ab 21. Dezember 2012 gekürzt, jedoch sieht das Bundesfinanzministerium eine Deckelung der Absenkung vor, um Härtefälle zu vermeiden. Dadurch fällt die Kürzung für Kapitallebensversicherungen und Private Rentenversicherungen etwas geringer aus.

Bewertungsreserven:
Wenn der Marktwert einer Kapitalanlage über dem Anschaffungspreis liegt, entstehen Bewertungsreserven. Seit 2008 ist vorgeschrieben, dass Versicherungsnehmer, deren Kapitallebensversicherung abläuft oder deren Rentenzahlung beginnt, mit 50 Prozent an den Bewertungsreserven beteiligt werden müssen. Ab 21. Dezember 2012 soll diese Regel nicht mehr bei Reserven aus festverzinslichen Wertpapieren angewandt werden müssen, wenn der Garantiezins der Lebensversicherung die Umlaufrendite überschreitet. Bei einer Umlaufrendite (Durchschnitt aus den Renditen öffentlicher Anleihen) in einer Höhe von weit unter 2 Prozent wirkt sich dies negativ auf den Leistungsanspruch der Kunden aus, denn der Garantiezins der Lebensversicherungen liegt im Durchschnitt bei 3,2 Prozent. Viele Kunden kündigten daher ihre Lebensversicherungen zum 1. Dezember 2012, um noch gemäß der alten Regelung an den Bewertungsreserven beteiligt zu werden.

Kaum Zeit für Reaktionen der Kunden:
Nach dem Beschluss des Bundestags vom 8. November 2012 blieb für die Kunden kaum Zeit für Reaktionen und zur rechtzeitigen Kündigung. Diejenigen, die monatlich Beitrage zahlen, konnten noch rechtzeitig bis Ende November kündigen, Kunden mit vierteljährlicher, halbjährlicher oder jährlicher Zahlungsweise konnten überhaupt nicht mehr rechtzeitig aus dem Vertrag austreten, um noch von der vorigen günstigeren Regelung zu profitieren.

Deutlich niedrigere Auszahlungen innerhalb eines Monats:
In einem Beispiel erhielt ein Kunde ein Schreiben des Lebensversicherers mit der Mitteilung über den Rückkaufswert der Lebensversicherung zum 20. November in Höhe von rund 43.500 €, wenn die Versicherung zum 1. Dezember 2012 gekündigt wird. Zum regulären Versicherungsende am 1. Januar 2013 läge die Versicherungssumme nur noch bei rund 37.300 € aufgrund des Wegfalls der Beteiligung an den Bewertungsreserven.

Bundesregierung plant Begrenzung: Um solch paradoxe Entwicklungen der Lebensversicherungen zu vermeiden, plant das Bundesfinanzministerium eine Begrenzung durch eine Verordnung über die Kürzung der Beteiligung der Lebensversicherungskunden. Demnach soll die Kürzung bei maximal 10 Prozent der Deckungsrückstellung liegen. Dies bedeutet für einen Kunden, der ein Kapital von 43.500 € angespart hat, dass der Lebensversicherer von den dem Kunden nach der bisherigen Regelung zustehenden Beteiligungen an den Bewertungsreserven maximal 4.350 € kürzen darf. Stehen den Kunden mit demselben Guthaben unter 4.350 € Bewertungsreserven zu, da diese je nach Lebensversicherer unterschiedlich sind, gehen die Kunden allerdings bei der Härtefallregelung leer aus.

Beteiligungsreserven 2011 von 42,6 Milliarden Euro:
Insgesamt lagen die Bewertungsreserven 2011 bei allen Lebensversicherern zusammen bei 42,6 Milliarden Euro. An diesen mussten die Kunden hälftig beteiligt werden. Nach Angaben der Pressestelle des Bundestags seien die wichtigen Ertragsquellen der Kapitallebensversicherung und damit die garantierte Leistung, die Überschussbeteiligung und Schlussgewinnbeteiligung nicht von der Gesetzesänderung betroffen. Doch bereits jetzt kann festgestellt werden, dass bei der Allianz die Schlussüberschussbeteiligungen um die Beteiligung an den Bewertungsreserven reduziert werden. In einer Stellungnahme an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht weist die Allianz darauf hin, dass bezogen auf alle Verträge und die komplette Vertragslaufzeit nach der Änderung 2008 nicht mehr verteilt werden kann als bisher.

Keine Garantie für Schlussüberschussbeteiligung:
Da keine Garantie für die Schlussüberschussbeteiligung besteht, wollen die Lebensversicherer die Chance nutzen, diese zu kürzen oder zu streichen. Die Bewertungsreserven, die im Schlussüberschuss als solche deklariert sind, müssen ausbezahlt werden. Aufgrund der Änderung zum 21. Dezember 2012 ist dieser Anspruch jedoch kaum noch etwas wert. Dadurch wird der Grund für das Drängen der Lebensversicherer auf eine drastische Reduzierung der Beteiligung an den Bewertungsreserven für die Kunden deutlich.
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