Stundenlöhne von unter 8,50 Euro erneut gesunken

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Die Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen, die Stundenlöhne von 8,50 Euro unterschritt, ist in den vergangenen Jahren merklich zurück gegangen.

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Nach einer aktuellen Auswertung, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung präsentiert schrumpfte die Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen, die Stundenlöhne von 8,50 Euro unterschritt, in den vergangenen Jahren merklich. Rund 4.750 Vergütungsgruppen aus 40 Branchen und Wirtschaftszweigen wurden vom WSI-Tarifarchiv untersucht. Der Anteil der Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro lag im Dezember 2013 nur noch bei 10 Prozent (im Dezember 2012 11 Prozent, im September 2011 bei 13 Prozent, im März 2010 bei 16 Prozent).

Mindestlohn positives Instrument
Für Dr. Reinhard Bispinck, Leiter des WSI-Tarifarchivs beweist diese positive Entwicklung die Verbesserung der Situation im Niedriglohnsektor aus eigener Kraft der Gewerkschaften. Ein Hilfsmittel war seiner Meinung nach der von Gewerkschaften lange gefordert und endlich beschlossene Mindestlohn, der den Druck auf die Arbeitgeberverbände erhöht habe. Er sieht diese positive Wirkung auch für die Zukunft, da er den Mindestlohn als probates Gegenmittel zum Entzug der Arbeitgeber von Tarifverhandlungen. So sieht er die Lohnuntergrenze schon vor ihrer Einführung das Tarifsystem gestärkt. Er lobt nach jahrelangem Stillstand die kürzlich gemachten positiven Abschlüsse. Oftmals hätten die Arbeitgeberverbände als Verhandlungspartner gefehlt. Als Beispiel führt er die Vereinbarungen über Branchenmindestlöhne im Friseurgewerbe (hier steigt der Mindestlohn bis August 2015 auf 8,50 Euro) und in der Fleischindustrie (erstmals vereinbarter Mindestlohntarifvertrag von einheitlich 7,75 Euro ab Juli 2014, danach erfolgt schrittweise Erhöhung auf 8,00 Euro (Dezember 2014), 8,60 Euro (Oktober 2015) und im Dezember 2016 auf 8,75 Euro). Viele Verbesserungen bezüglich der Niedriglohnproblematik hat es im Hotel- und Gaststättengewerbe, Fleischerhandwerk, Erwerbsgartenbau, Bewachungsgewerbe und Gebäudereinigerhandwerk erreicht werden.

Mehrheitlich wird 8,50 Euro Stundenlohn gezahlt
Nach der WSI-Untersuchung erhält die Mehrheit, knapp 90 Prozent der Vergütungsgruppen aus Tarifverträgen, die DGB-Gewerkschaften abgeschlossen haben, Stundenlöhne von 8,50 Euro und mehr. Bei insgesamt 79 Prozent der Vergütungsgruppen liegt der Einstiegssatz bei 10 Euro, so für die Tarifgruppen in wichtigen Branchen wie der Metall- und der Chemieindustrie, dem Bankgewerbe, dem Bauhauptgewerbe, der Süßwarenindustrie und der privaten Abfallwirtschaft. 12 Prozent der Tarifgruppen haben die Untergrenze sogar bei 20 Euro und mehr gezogen. So setzt das Tarifsystem Untergrenzen oberhalb der Niedriglohnschwelle.

Niedriglöhne traditionell
Für 10 Prozent der untersuchten Vergütungsgruppen gilt dies laut WSI-Analyse nicht. Da es keine übergreifenden Daten über Eingruppierungen von Unternehmen gibt, kann keine genaue Aussage über die Anzahl der Beschäftigten in Tarifgruppen unter 8,50 Euro gemacht werden. Man geht davon aus, dass viele der Niedriglohn-Tarifgruppen nur für wenige, niedrig qualifizierte Mitarbeiter gelten. Doch in einigen Wirtschaftszweigen, wie verschiedene Handwerks- und Dienstleistungsbranchen sind tarifliche Niedriglöhne recht häufig.

Änderungen in den klassischen Niedriglohnsegmenten
Niedriglohngruppen gibt es für 23 Branchen, meist regional begrenzt. Besonders häufig kommen sie in der Landwirtschaft (insbesondere bei Saisonarbeit), Floristik, Erwerbsgartenbau, Hotel- und Gaststättengewerbe, Friseurhandwerk, Bewachungsgewerbe, Gebäudereinigerhandwerk, Fleischerhandwerk vor. Zwischen 20 und 100 Prozent der Vergütungsgruppen unterschreiten hier 8,50 Euro. Auch ältere Tarifverträge, die noch nicht durch neue, verbesserte ersetzt wurden, enthalten oft niedrigere Tarifvergütungen, besonders häufig kommen sie in Ostdeutschland vor, hier liegt der Anteil bei 27 Prozent, in Westdeutschland dagegen lediglich bei sechs Prozent.

Für die Leih-/Zeitarbeit wird der Mindestlohn in zwei Stufen bis Juni 2016 auf 9,00/8,50 Euro angehoben. Für die Landwirtschaft werden Saisonarbeitskräfte in die regulären Tarifverträge eingruppiert, bis Dezember 2017 sollen die untersten Stundenlöhne schrittweise auf 8,50 Euro je Stunde erhöht werden.

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