Niedriglohn-Report: Niedriglohnempfänger profitieren vom gesetzlichen Mindestlohn

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Nach dem aktuellen Niedriglohn-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) unterschritt 2012 der Stundenlohn fast jedes vierten Beschäftigten in Deutschland die bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle von 9,30 Euro, die als Geringverdienst gilt.

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Nach dem aktuellen Niedriglohn-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) unterschritt 2012 der Stundenlohn fast jedes vierten Beschäftigten in Deutschland die bundeseinheitliche Niedriglohnschwelle von 9,30 Euro, die als Geringverdienst gilt.

Große Unterschiede in den Bundesländern
Zusätzlich überprüften IAQ-Forscher Dr. Thorsten Kalina und Dr. Claudia Weinkopf angesichts der für Anfang 2015 geplanten Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro, die Anzahl der Niedriglohnbeschäftigen (insgesamt 8,4 Millionen) die Anspruch auf eine Lohnerhöhung hätten. Demnach würden gut 6,6 Millionen Beschäftigte (19 Prozent aller Beschäftigten) profitieren, deren Stundensätze im Jahr 2012 den Mindestlohn unterschritten. Je nach Bundesland treten gravierende Unterschiede im Anteil der Beschäftigten unter dem Mindestlohn auf. Für den Zeitraum von 2009 bis 2012 liegen diese zwischen 11,6 Prozent in Hamburg und 34,9 Prozent in Thüringen.

Wichtige Details ungeklärt
Nebentätigkeiten von Schülern, Studierenden und Rentnern wurden in die auf der Grundlage des sozioökonomischen Panels (SOEP) einbezogen. Das IAQ bemängelt, dass noch wichtige Punkte bei der Ausgestaltung des gesetzlichen Mindestlohns unberücksichtigt seien, so müsse die reale Arbeitszeit einschließlich der Überstunden erfasst werden, um zu vermeiden, dass der Mindestlohn durch unbezahlte Mehrarbeit umgangen würde, fordert Dr. Claudia Weinkopf. Außerdem fehle die Entscheidung des Gesetzgebers, ob und inwiefern eine Anrechnung von Zulagen und Sonderzahlungen, z. B. das Weihnachtsgeld, auf den Mindestlohn erfolgen dürfe.

Mehr Kontrolle
Dr. Thorsten Kalina rät zur Begrenzung von Ausnahmeregelungen, um zu vermeiden, dass eine Konkurrenz zwischen Beschäftigtengruppen mit und ohne Mindestlohnanspruch entfacht und die Durchsetzung und Kontrolle des Mindestlohns erschwert würde. Zur Kontrolle der Einhaltung der Lohnuntergrenze und zur Vermeidung der Schwarzarbeit fordert er eine Ausweitung der Kapazitäten von Zoll bzw. der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Rückgang in Ostdeutschland
Der Anteil von Menschen mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro sank seit 1995 bundesweit von 24,9 Prozent auf 19,2 Prozent im Jahr 2012 nur leicht. Treibend zum Rückgang war die Lohnentwicklung in Ostdeutschland. Während der Stundenlohn noch Mitte der 1990er Jahre bei mehr als 50 Prozent den Mindestlohn unterschritt, waren es im Jahr 2012 nur noch 29,3 Prozent der Beschäftigten. Leider verfestigte sich der Anteil der Geringverdiener in Westdeutschland.

Auch ostdeutscher Arbeitsmarkt verkraftet Mindestlohn
Bei Fortsetzung des Trends in Ostdeutschland gehen die Forscher im Jahr 2017, bei Geltung des Mindestlohns von 8,50 Euro ohne tarifliche Ausnahmen für die gesamte Wirtschaft, davon aus, dass nur noch etwa 25 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten Anspruch auf eine Lohnerhöhung hätte. Dies würde belegen, dass die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns trotz vieler gegenteiliger Aussagen auch vom ostdeutschen Arbeitsmarkt gut verkraftet werden könne.

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