Neben-Minijobs führen zu Verzerrung der Arbeitsmarktzahlen

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Eine aktuelle Untersuchung ergibt, dass die die staatlich subventionierten Beschäftigungsverhältnisse nach Feierabend die Situation auf dem Arbeitsmarkt verzerren.

Von den knapp 2,6 Millionen Menschen mit einem Mini-Job neben ihrem Haupt- einen Minijob ist die Mehrzahl Frauen, die ihr Einkommen aufzubessern müssen. Eine aktuelle Untersuchung ergibt, dass die die staatlich subventionierten Beschäftigungsverhältnisse nach Feierabend die Situation auf dem Arbeitsmarkt verzerren.

Die Zahl der Menschen mit einer geringfügigen Nebenbeschäftigung ist in den vergangenen zehn Jahren unverändert angestiegen. Minijobber üben zusätzlich zu einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis einen 450-Euro-Job aus, für die keine Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden müssen. Die Zahl der Mini-Jobber stieg von 2004 bis 2013 von 1,66 auf 2,59 Millionen. Die Hintergründe haben die Berliner Sozialforscherin Dr. Tanja Schmidt und Dr. Dorothea Voss von der Hans-Böckler-Stiftung durch Auswertung von Daten des Sozio-oekonomischen Panels der Jahre 2004 bis 2011 untersucht.

Häufig unfreiwillig
Viele Frauen mit einer Teilzeitbeschäftigung haben einen Minijob. Dies ist allerdings häufig in der Tatsache begründet, dass die gewünschte längere Arbeitszeit im Hauptarbeitsverhältnis nicht angeboten wird. Der Anteil an Frauen und Männern mit einem Minijob hält sich die Waage. Viele Frauen haben ein geringeres Einkommen als Männer und versuchen zur Existenzsicherung das Einkommen mit einem Neben-Minijob aufzubessern. Während die Frauen mit einem Neben-Minijob im Schnitt einen Bruttostundenlohn von 14,47 Euro in ihrer Hauptbeschäftigung erhielten, sind es bei Männern durchschnittlich 18,42 Euro. Frauen mit höheren Einkommen suchen in der Regel keinen zusätzlichen Minijob.

Einkommenseinbußen durch Trennung ausgleichen
Im Trennungsfall müssen viele Frauen einen Neben-Minijob aufnehmen, um finanzielle Einbußen durch eine Scheidung zu kompensieren. Arbeitnehmerinnen verdienen zwar in der Regel weniger als die ihrer männlichen Kollegen, durch eine Ehe reduzieren sich die Unterschiede etwas. Dieser Unterschied muss nach einer Trennung ausgeglichen werden. Die Forscherinnen sehen dadurch bewiesen, dass der institutionelle Rahmen in Deutschland Frauen bei drastischen Veränderungen im Lebensverlauf vor Armut nicht schütze. Bei Männern gibt es keine Indizien, die auf diese Zusammenhänge hinweisen.

Hoch qualifizierte männliche Minijobber
Männer, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, zählen jedoch zur Gruppe der finanziell Bessergestellten. Über 50 Prozent der Mini-Jobber ist die beiden oberen Fünftel der Einkommensverteilung einzuordnen. Männer im unteren Einkommenssegment (im untersten Fünftel) gehen deutlich seltener einem Neben-Minijob nach als Besserverdienende. Die Forscher vermuten hier im Gegensatz zu den Frauen ein „Mittelschichtphänomen“. Männliche Neben-Minijobber sind nach Ansicht der Forscher überwiegend qualifizierte Facharbeiter, die noch einen „Zuverdienst“ haben möchten.

Abgabenfreie Überstunden durch Minijob?
Zusätzlich kann auch ein Minijob angenommen werden, anstatt Überstunden abzuleisten, denn gerade in Gegenden, in denen nahezu Vollbeschäftigung herrscht, gibt es immer mehr Minijobber, beispielsweise in Baden-Württemberg. Durch den Minijob können Überstunden steuer- und sozialversicherungsfrei abgewickelt werden. Die Forscherinnen fordern jedoch zur Gleichbehandlung jeder Stunde am Arbeitsmarkt auf, um Verzerrungen am Arbeitsmarkt zu vermeiden.

Teilzeitstellen oft gekoppelt mit zusätzlichem Mini-Job
In Branchen mit vielen Teilzeitjobs gibt es auch eine hohe Quote an Neben-Minijobs, am häufigsten in den drei Branchen „Erziehung, Unterricht, Forschung“, „Gesundheits- und Sozialwesen“ sowie „Öffentliche Verwaltung, Sozialversicherungen, Interessenvertretung“. Schmidt und Voss merken an, dass im öffentlichen Dienst bei gleichzeitigem Stellenabbau die Teilzeitbeschäftigung zunahm. Der Anteil der Teilzeitstellen verdoppelte sich seit Anfang der 1990er-Jahre fast (auf 30 Prozent). Die Teilzeitstellen in den beiden anderen Bereichen haben ebenfalls zugenommen, im Entgeltbereich des „unteren bis mittleren Bereichs“. So könne angenommen werden, dass Teilzeitbeschäftigte in ihrer Hauptbeschäftigung kaum ein Existenzminimum verdienten.

Weniger soziale Ansprüche mit Mini-Job
Den Forscherinnen fiel sowohl das Gesundheits- und Sozialwesen als auch den Bildungssektor auf. Hier sind viele Neben-Minijobber im gleichen Beruf in Haupt- und Nebentätigkeit beschäftigt. Daher sei zu prüfen, inwiefern die Sonderstellung von 450-Euro-Jobs im Bezug auf Steuer und Sozialversicherung eine problematische Aufspaltung von Arbeitszeitvolumen in sozialversicherungspflichtige und geringfügige Beschäftigung beschleunigt – besonders für die Gesellschaft unverzichtbaren Dienstleistungen. Es würde in diesen Branchen immer schwieriger, ein ausreichendes Einkommen mit einem einzigen Beschäftigungsverhältnis zu erreichen. Die nichtvorhandenen Ansprüche an das soziale Sicherungssystem durch einen Minijob gegenüber einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung macht die geringfügige Nebenbeschäftigung insbesondere für Frauen gefährlich.

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