Stadtbewohner leben getrennt nach Einkommensgruppen: Berlin vor München

  1. Lohn / Gehalt
  2. Tarifeverzeichnis



Die räumliche Trennung von Einkommensgruppen fällt in den Großstädten in Deutschland unterschiedlich aus - in München ist die Trennung beispielsweise geringer als in Berlin.

Die Großstädte in Deutschland sind im Hinblick auf die räumliche Trennung verschiedener Einkommensgruppen unterschiedlich ausgeprägt. In Berlin, Hamburg, Frankfurt und Leipzig ist die räumliche Trennung von Niedriglohnempfängern einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB am deutlichsten ausgeprägt. In München, Stuttgart und Essen ist die räumliche Trennung verschiedener Einkommensgruppen laut der Studie am geringsten.

Ermittlung der stadtspezifischen Niedriglohnschwelle
Zur Berücksichtigung der Unterschiede des örtlichen Preisniveaus und der lokalen Kaufkraft wurde von den Forschern neben der deutschlandweiten auch die jeweils stadtbezogene Niedriglohnschwelle ermittelt. Als Basis wurde diese gemäß der OECD-Definition bei zwei Dritteln des Medianlohns angesetzt. Beim Medianlohn handelt es sich um den mittleren Lohn, 50 Prozent aller Beschäftigten verdienen mehr und 50 Prozent haben ein geringeres Einkommen. Dem Studienergebnis zufolge spielen die Größe und die geografische Lage der Stadt keine Rolle im Hinblick auf die räumliche Trennung von Einkommensgruppen, zwischen der Segregation und dem Niedriglohnanteil zeichnet sich jedoch ein Zusammenhang ab. In Bezug auf die deutschlandweite Niedriglohnschwelle liegt der Anteil der Niedriglohnempfänger in Berlin bei 29 Prozent und in München bei 13 Prozent.

Verschiedene Muster der Ansiedlung von Niedriglohnempfängern
In den geschlossenen Flächen von mehreren Quadratkilometern in den Berliner Stadtteilen Neukölln, Wedding und Marzahn zählt mindestens ein Drittel der Beschäftigten zu den Niedriglohnempfängern auf der Basis der stadtbezogenen Niedriglohnschwellen. In München ist der Anteil der Niedriglohnempfänger in den Stadtteilen Feldmoching-Hasenbergl, Milbertshofen-Am Hart oder Berg am Laim erhöht. In München ist laut den Forschern des IAB auffällig, dass nicht ganze Stadtbezirke von hohen Anteilen an Niedriglohnempfängern betroffen sind, sondern dies häufig nur auf bestimmte Straßenzüge zutreffend ist.

Wandel der Wirtschaftsstrukturen als möglicher Grund für die Unterschiede
Ein möglicher Grund für die Unterschiede stellt der Wandel der Wirtschaftsstrukturen dar. München war von größeren Strukturschocks verschont und profitierte besonders von der Neuansiedlung wissensintensiver Branchen, in Berlin und Hamburg dagegen wurden die alten Industrien von negativen Strukturschocks beeinflusst.
Auch die örtliche Wohnungsbauförderung und die jeweiligen Prioritäten stellen ebenfalls einen wichtigen Effekt dar, demnach steht eine stärkere Einkommenssegregation in Relation zu einer ausschließlich kostenoptimierten Förderung mit besonderem Fokus auf Großprojekte im Sozialen Wohnungsbau sowie zum Rückzug der staatlichen Aktionen aus diesem Gebiet.

Unerwünschte Konsequenzen durch starke Ausprägung
Eine sehr deutliche Ausprägung der räumlichen Trennung von Einkommensgruppen könnte zu unerwünschten Folgen führen. Sozioökonomisch schwächere Einwohner könnten aufgrund innerstädtischen Einkommenssegregation nur über qualitativ schlechtere öffentliche Ressourcen und Netzwerke verfügen, die jedoch im Hinblick auf Sozialisation, Informationsaustausch, Bildungsergebnisse und Arbeitsmarktchancen eine wichtige Rolle spielen.
Mehr zum Thema:

 



Das könnte Sie auch intressieren: