Größere Armutsgefahr in deutschen Großstädten

  1. Lohn / Gehalt
  2. Tarifeverzeichnis



Die Gefahr, in die Armut abzurutschen, nimmt laut der aktuellen Studie „Regionaler Armutsvergleich“ in den Großstädten in Deutschland zu.

Altersarmut
© CHW - Fotolia
Im Rahmen der Studie „Regionaler Armutsvergleich“ des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln IW wurde festgestellt, dass die Armutsgefahr in deutschen Großstädten zunimmt. In den letzten Jahren verzeichnete die Einkommensarmut in den Großstädten in Deutschland eine stärkere Zunahme als in ländlichen Gebieten. Unter anderem wird als Grund für diese Situation die steigende Miete in den Städten angegeben.

Ost-West-Gefälle rückläufig
Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland im Hinblick auf die Armutsgefahr gingen laut der Studie dagegen zurück. Zwar ist der Unterschied mit reinem Fokus auf das Einkommen zwischen Ost und West hoch, doch unter Hinzuziehung der Preisunterschiede zwischen Ost und West sowie zwischen ländlichen Regionen und Großstädten fallen die Armutsquoten gar nicht so differenziert aus, wie die Wirtschaftswissenschaftler Christoph Schröder und Klaus-Heiner Röhl erläutern.
In Thüringen wurde beispielsweise die drittniedrigste Quote aller deutschen Bundesländer ermittelt. Den Erklärungen von IW-Direktor Michael Hüther zufolge nimmt Brandenburg die Position neues Bundesland mit der stärksten Kaufkraft ein und liegt sogar fast gleichauf mit Hamburg.

Besonders hohe Kaufkraftarmut bei den Kölnern
In Köln gelten 26 Prozent der Einwohner als kaufkraftarm, in Dortmund und im Westteil der Bundeshauptstadt fällt die Kaufkraftarmut ähnlich hoch aus. Auch in Bremerhaven und Duisburg sind fast ein Viertel der Einwohner von Kaufkraftarmut betroffen.
In ländlichen Gebieten dagegen sind nur knapp 14 Prozent der Bewohner kaufkraftarm, die Städte verzeichnen im Durchschnitt 22 Prozent kaufkraftarme Bürger.

Ruhrgebiet mit stärkster Zunahme der Kaufkraftarmut
In Städten wie Gelsenkirchen, Duisburg und Dortmund ging die Kaufkraft enorm zurück. Demnach ist die Zunahme der Kaufkraftarmut im Ruhrgebiet am höchsten. Doch auch in Mecklenburg-Vorpommern bestehen weiterhin große Probleme.

Umlenkung der Förderungen nach Auslaufen des Solidarpakts II erforderlich
Zum Zeitpunkt des Auslaufens des Solidarpakts II, der zusätzliches Geld für Ostdeutschland vorsieht, ist nach Ansicht des IW-Direktors eine Umlenkung der regionalpolitischen Förderung auf Ballungsräume und Städte erforderlich. In diesen Regionen müssten Investitionen, Gründungen, Integration und Bildung gefördert werden.

Einkommensarmut unter 870 € monatlich
Alleinstehende, deren Budget monatlich weniger als 870 € beträgt, gelten gemäß IW als einkommensarm. Im Vergleich der Zahlen der relativen Einkommensarmut gegenüber den jeweiligen Preisen in den einzelnen Regionen kam die Studie zu dem Ergebnis, dass Bürger in München beispielsweise 1.030 € ausgeben müssen, wenn sich diese dasselbe leisten wollen wie ein Durchschnittsbürger mit 870 €. Für Einwohner im Vogtland und in Stendal reichen im Vergleich dazu knapp 800 € für dieselben Leistungen und Produkte.
Mehr zum Thema:

 



Das könnte Sie auch intressieren: